ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2003zu Bayer: Das Klägerdebakel von Corpus Christi

VARIA: Schlusspunkt

zu Bayer: Das Klägerdebakel von Corpus Christi

Dtsch Arztebl 2003; 100(13): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Gegen den Strich zu bürsten kann sich zuweilen richtig lohnen. Im vorletzten Börsebius (Deutsches Ärzteblatt, Heft 11 vom 14. März 2003) habe ich unter der Überschrift „Gefallener Engel“ die Hysterie in Sachen Bayer/Lipobay als maßlos übertrieben beurteilt mit der abschließenden Bewertung „jetzt kaufen, freuen später“.
Seit Veröffentlichung des Beitrags erhielt ich jede Menge Anrufe, ob ich denn verrückt geworden sei, dem Kurs ein Verdoppelungspotenzial von 100 Prozent zu attestieren, die Leverkusener seien so gut wie am Ende.
Nur wenig später sind von dieser Prognose bereits 40 Prozent eingelöst, der Kurs schnellte Mitte März an nur einem einzigen Börsentag von zehn auf 14 Euro hoch. Hinter diesem erfreulichen Sprung steckt der Ausgang einer einzigen Gerichtsverhandlung in einem US-Kaff namens Corpus Christi.
Die Besonderheit: Es handelte sich bei dieser Klage überhaupt um die erste Entscheidung in Sachen Lipobay/Bayer und – sensationell genug – um einen Freispruch erster Klasse für die Leverkusener.
Der Kläger hatte gegen Bayer eine Forderung in Höhe von 558 Millionen Dollar eingereicht. Einstimmig entschieden die Geschworenen, dass Bayer an der Erkrankung des Mannes keine Schuld treffe.
Das Urteil hat vermutlich eine ziemliche Signalwirkung auf weitere Klagen und auch auf die Bereitschaft vieler, sich auf eine gerichtliche Auseinandersetzung einzulassen.
Wenn schon in einer texanischen Gerichtsbarkeit, die durchweg als sehr klägerfreundlich gilt, die Beklagte dermaßen furios die Schranken des Courts verlässt, dann darf mit einiger Sicherheit darauf gewettet werden, dass die kolportierten Schadensersatzsummen bei weitem nicht erreicht werden.
Gleichwohl soll an dieser Stelle ein wichtiger Risikohinweis nicht unterlassen werden. Abgesehen von wohl weiteren Zigtausenden Individualklagen, drohen auch Sammelverfahren, und außer-
dem stehen noch Aktionärsklagen gegen Bayer aus. Dennoch mag ich nicht von der Prognose einer Kursverdoppelung lassen. Jetzt erst recht nicht.
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