ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1996Siconet/Operationssaal 2000: Übertragungsmöglichkeit für den Operationssaal der Zukunft

VARIA: Technik für den Arzt

Siconet/Operationssaal 2000: Übertragungsmöglichkeit für den Operationssaal der Zukunft

Marx, Catrin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Bislang kommt die Telemedizin mit ihren Übertragungen per ISDN an die Grenzen des Realisierbaren, wenn es sich um bewegte Bilder handelt. Meistens hilft auch keine Datenkompression, da diese zu Lasten der Bildqualität geht. Somit wird die korrekte Diagnose durch Dritte erschwert. Neue Möglichkeiten für eine hochauflösende Qualität eröffnet eine Bildübertragung über Satellit.


Ein geeeignetes Datennetz zum Austausch medizinischer Daten ist das ISDN-Netz. Es gibt viel telemedizinische Projekte, wie zum Beispiel Bettenbuchungssysteme oder andere administrative Systeme, die ohne Komplikationen mit dem ISDN-Netz arbeiten.
An die Grenzen des technisch Machbaren stößt man, wenn es um teleradiologische oder telepathologische Anwendungen geht. Hier tritt die begrenzte Datenübertragungsrate zutage, die bei einem ISDN-Basisanschluß maximal 128 kBit/s beträgt. Diese Datenstrommenge reicht bei der Übertragung von bewegten Videosignalen nicht aus, um wichtige medizinisch relevante Details zu erkennen. Geeignete Komprimierungsverfahren können zwar die Datenmenge reduzieren, doch geht dies immer mit erheblichen Qualitätseinbußen einher. Da jedoch in der Medizin hochauflösende Videobilder als Basis für Diagnose und Therapie unabdingbar sind, ist für Online-live-Übertragungen die Bandbreite der ISDNLeitungen allein nicht ausreichend.
Die synchrone Fernübertragung von intraoperativen Live-3-D-Bilddaten über Satellit ist längst keine Vision mehr. Im Rahmen des Forschungsprojekts SICONET(Stereoscopic Image Communication Network) wurden bereits von der Deutschen Telekom in Zusammenarbeit mit der Robert-Rössle-Klinik am Max- DelbrückCentrum (Projektleiter: Prof. Dr. med. P. Schlag), Berlin, und dem Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg, weitere neue Übertragungsmöglichkeiten entwickelt. Schon im Jahr 1993 konnte über Satellit die erste digitale dreidimensionale Live-Video-Übertragung realisiert werden. Unter Nutzung des Forschungssatelliten Kopernikus konnten bei der Übertragung verschiedene 1CCD- oder 3-CCD-Kameras und 3-D-Videosysteme für Klein- und Großbildprojektion zusammen mit Fernbedienungen verschiedener Gerätschaften (OP-Mikroskop, 3-D-Endoskop, Laser und anderes) getestet werden. Dabei konnte dem Operateur wie dem außenstehenden Betrachter dieselbe Bildqualität zur Verfügung gestellt werden.
Auf diesem Übertragungsmodus aufbauend, wird an einem neuen Konzept für das therapeutische Vorgehen im Operationssal gearbeitet. Durch Siconet waren die strukturellen Voraussetzungen geschaffen, die neuen Technologien in einen Operationssaal der Zukunft (OP 2000) zu integrieren.
Die Entwicklung der medizinischen Technologie im Rahmen des Konzepts OP 2000 beinhaltet neben der Integration von Daten konventioneller Diagnostik die Einführung von Verfahren wie laserinduzierte Fluoreszenz, "Optical Imaging" und Laser-scanning-Mikroskopie, die das intraoperative Staging von Tumoren verbessern. Die Entwickler haben es sich als Ziel gesetzt, daß alle Patientendaten dreidimensional dargestellt werden können und so dem Chirurgen als Unterstützung dienen. Der Vorteil ist, daß alle in Frage kommenden Eingriffe bereits mehrfach vor dem eigentlichem Eingriff trainiert werden können. Damit sollen günstigere Voraussetzungen für eine individualisierte angemessene operative Behandlung geschaffen werden. Als weitere Unterstützung kann während des Eingriffs das interdisziplinäre Konsil (Spezialisten auf dem Gebiet oder Fachkollegen, die in einem anderen Land sitzen) durch die computergestützte dreidimensionale "OnlineVideofernübertragung" mitwirken. Um die komplizierte Handhabung aller Systeme so weit wie möglich zu vereinfachen, wird die gesamte Gerätekonfiguration über eine einheitliche Benutzeroberfläche gesteuert. Eine Dateneingabe über Tastatur, Maus oder Datenhandschuh ist nicht vorgesehen. Der Operateur soll das System über Sprache oder Körperbewegungen wie einfache Handgesten steuern. Noch in der Erprobung ist ein optisches Aufnahmeverfahren im nahen Infrarot, damit man von den wechselnden Beleuchtungsverhältnissen im Operationssaal unabhängig ist. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt entwickelt. Catrin Marx

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote