ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2003Babyklappen: Gut gemeinte Initiative, aber schlimme Wirkung

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Babyklappen: Gut gemeinte Initiative, aber schlimme Wirkung

Dtsch Arztebl 2003; 100(13): A-834 / B-708 / C-661

Rohde, Anke

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LNSLNS Nicht nur Menschen, die nichts über ihre Herkunft wissen, tragen eine schwere Last, sondern auch die Mütter, die solche Kinder abgegeben haben; das weiß man bereits jetzt aus der allgemeinen Adoptionsforschung. Die anonyme Abgabe eines Kindes wird aber noch schwieriger zu bewältigen sein, weil der betroffenen Frau jede Kommunikationsmöglichkeit darüber fehlt. Hat übrigens jemand untersucht, ob sich die abgebenden Mütter tatsächlich in einer „extremen Konfliktsituation“ befinden? Mittlerweile bestätigen sich die Befürchtungen der Kritiker, nämlich dass mit dem Angebot von anonymer Geburt und Babyklappen das Problem Tötung und Aussetzung von Kindern nicht gelöst wird. Dazu existieren in der Zwischenzeit erste Zahlen, die Frau Professor Swientek von der Universität Hannover erhoben hat. Trotz aller Mängel, die eine nicht repräsentative Umfrage hat, wurde doch deutlich, dass sich die Zahl von ausgesetzten und getöteten Kindern seit der Einrichtung von Babyklappen nicht vermindert hat (Januar bis Oktober 2002 mindestens 31); zusätzlich wurden aber mindestens 100 Findelkinder „produziert“. In Zukunft, wenn Babyklappen und
anonyme Geburten möglicherweise noch aggressiver beworben werden als jetzt schon, muss leider mit einer ständigen Zunahme anonym abgegebener Kinder gerechnet werden – bis wir französische Verhältnisse erreicht haben (etwa 600 anonyme Geburten pro Jahr). Warum berücksichtigt eigentlich niemand die Erfahrungen in Frankreich, wo die anonyme Geburt seit vielen Jahrzehnten legal ist und wo Betroffene der so genannten „Generation X“ beim Europäischen Gerichtshof auf Abschaffung dieses Gesetzes klagen?
Babyklappen und anonyme Geburt: eine gut gemeinte Initiative, die Schlimmes bewirkt!
Prof. Dr. med Anke Rohde, Universitätsfrauenklinik Bonn,
Sigmund-Freud-Straße 25, 53105 Bonn
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