ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2003Medizingeschichte und Politik

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Medizingeschichte und Politik

Dtsch Arztebl 2003; 100(13): A-838

Schmierer, Klaus

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Medizingeschichte
Fundierte Studie
Klaus Schmierer: Medizingeschichte und Politik. Karrieren des Fritz Lejeune in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus (Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 96), Matthiesen Verlag, Husum, 2002, 292 Seiten, broschiert, 51 €
Bei der kritischen Aufarbeitung der Geschichte der Medizin kommen dem Nationalsozialismus und damit der Medizin im deutschen Sprachraum im 20. Jahrhundert eine besondere – auch internationale – Bedeutung zu. Diese Forschungen werden hervorragend dokumentiert in den von G. Baader, J. Bleker, M. Hubenstorf und R. Winau von der FU Berlin betreuten „Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften“. Wie im Trend der derzeitigen Selbstreflexion nicht anders zu erwarten, scheut die Medizingeschichte auch vor den eigenen Institutionen und Amtsträgern nicht zurück, wie einige jüngere Publikationen eindrucksvoll beweisen.
Hier ist nun auch die fundierte Studie von Klaus Schmierer über Fritz Lejeune (1892 bis 1966) zu nennen. Lejeune habilitierte sich 1922 in Greifswald für Medizingeschichte, wurde 1928 in Köln zum a. o. Professor und 1939 zum Extraordinarius und Institutsdirektor im Josephinum in Wien berufen. Bereits vor 1926 war er in die NSDAP eingetreten, fungierte von 1933 bis 1939 in der NS-Dozentenschaft und wurde 1945 suspendiert. Neben der akademischen Karriere war er 1928 bis 1934 Vorsitzender der „Reichsnotgemeinschaft deutscher Ärzte“. In der Nachkriegszeit war Lejeune beratender Arzt der DAK und von 1953 bis 1964 Gründungspräsident des Deutschen Kinderschutzbundes.
Die umsichtige, manchmal sich wiederholende Analyse der Rechtfertigungen dieses „patriarchalischen“ Arztes und wortgewaltigen Publizisten nach der Diktatur beleuchtet über die schillernde Figur hinaus wesentliche Handlungsfelder der medizinischen Zeitgeschichte.
Ulrich Koppitz, Alfons Labisch
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