ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2003Sinusitis: Weit verbreitet und häufig unterschätzt

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Sinusitis: Weit verbreitet und häufig unterschätzt

Dtsch Arztebl 2003; 100(13): A-864

Hoc, Siegfried

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LNSLNS „Banale“ Erkältungen, die den Patienten mit Schnupfen, Husten und Fieber zu schaffen machen, gehen in der Regel mit einer Entzündung der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen einher. Jeder fünfte Erkrankte muss wegen Beschwerden durch diese Beteiligung ärztlich behandelt werden. Die Symptomvielfalt und die individuellen Unterschiede in der subjektiven gesundheitlichen Beeinträchtigung seien möglicherweise Ursache für einen sehr differenzierten Leidensdruck bei dieser Erkrankung, sagte Prof. Steffen Maune (Kiel) in München.
Die Bandbreite der Symptome reicht vom einfachen Schnupfen bis hin zu unerträglichen Kopfschmerzen, Druckgefühl zwischen den Augen und Abgeschlagenheit. Dabei müssen akute, akut-rekurrente und chronische Sinusitis unterschieden werden. Die chronische Nasennebenhöhlenentzündung lasse sich in eine neurophile und eine eosinophile Form differenzieren, wobei die eosinophile Form mit Polyposis nasi einhergehe, erinnerte Dr. Horst Luckhaupt (Dortmund). Die akute Sinusitis beginnt plötzlich mit nasaler Obstruktion, eitriger Rhinorrhö, postnasaler Sekretion in den Rachen, Kopf- und/oder Gesichtsschmerzen und Abgeschlagenheit. Bei Kindern ist Husten ein vorrangiges Sinusitis-Symptom.
Weniger stark ausgeprägt sind die Symptome bei chronischer Sinusitis. Im Vordergrund stehen nasale Obstruktion mit Behinderung der Nasenatmung, eine immer wiederkehrende Nasensekretion, mitunter unspezifische Kopf- und/oder Gesichtsschmerzen und – vor allem bei Nasenpolypen – eine Riechminderung. Chronische Sinusitis bedarf einer computertomographischen Abklärung.
Bei einer unkomplizierten Sinusitis seien Phytotherapeutika angesagt, unterstrich Luckhaupt. Sie wirken antientzündlich, verbessern den Sekretabfluss und damit die Belüftung der erkrankten Nasennebenhöhlen. Ein Phytotherapeutikum, das spezifisch für die Indikation „akute und chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen zugelassen ist, ist das Kombinationspräparat Sinupret®, das Enzianwurzel, Primelblüten, Sauerampfer, Holunderblüten und Eisenkraut enthält. Auch Präparate, die das ätherische Öl Myrtol enthalten (zum Beispiel Gelomyrtol®) zeigen abschwellende Effekte und sorgen für einen dünnflüssigen Schleim. Sie sind jedoch wegen des ätherischen Öls bei Kleinkindern kontraindiziert.
Sekretolytische und expektorische sowie antientzündliche Wirkung haben auch Präparate aus Efeublättern und Thymiankraut wie Bronchipret®. Das in Efeublättern enthaltene Hederasaponin C zeigt in vitro sogar eine antivirale Wirkung. Beim Thymian sind vor allem das ätherische Öl beziehungsweise die darin enthaltenen Monoterpene Thymol und Carvacrol pharmakologisch wirksam. Thymol ist gegen viele Mikroorganismen 25-mal stärker aktiv als die Standard-Referenzsubstanz Phenol.
Die Thymolkonzentration in der Atemluft von Probanden und Patienten ist jetzt mit einer „künstlichen Nase“ messbar. Eine ausreichend hohe Konzentration von Wirkstoffen im Zielgewebe ist die Voraussetzung für den Therapieerfolg.
Die Wirksubstanzen eines oral eingenommenen Präparates gegen Sinusitis oder Bronchitis müssen sich in den Nasenschleimhäuten beziehungsweise in den oberen Luftwegen anreichern. Die Sensobi Sensoren GmbH (Halle) entwickelte ein Sensorsystem, mit dem Thymol in der Atemluft gemessen werden kann.
Antibiotika nur bei purulenter Sinusitis verordnen
Nimmt zum Beispiel eine Testperson das standardisierte Thymian-Präparat Bronchipret ein, so steigt nach maximal einer Stunde der Thymolgehalt in der Atemluft deutlich an. Wie Robert Bischoff (Halle) mitteilte, haben Messreihen ergeben, dass erst zwei Stunden nach Einnahme des Thymian-Präparates die Thymolkonzentration so weit abgefallen ist, dass eine pharmakologische Wirkung nicht mehr sicher ist.
Antibiotische Therapie empfiehlt Luckhaupt nur im Falle einer purulenten Sinusitis mit entsprechenden klinischen Symptomen. Gegen Polyposis nasi hat sich der Einsatz von topischen Steroiden in Form eines Nasensprays bewährt. Chronische Sinusitis, mit der Gefahr auf ein Übergreifen auf Augen oder Gehirn, sollte operativ angegangen werden. Das seien rund fünf Prozent der Fälle, sagte Maune. Der spezialisierte Nasenchirurg stützt sich dabei auf die sehr sichere mikroendoskopische endonasale Nasennebenhöhlen-Chirurgie, wie sie in HNO-Zentren heute eingesetzt wird. Siegfried Hoc

Pressekonferenz „Wie harmlos sind Erkältungen – wie gut kann Phytotherapie helfen?“, Komitee Forschung Naturmedizin in München
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