ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2003Lipobay-Prozess: Etappensieg für Bayer

VARIA: Wirtschaft

Lipobay-Prozess: Etappensieg für Bayer

Dtsch Arztebl 2003; 100(13): A-863 / B-730 / C-683

Flintrop, Jens

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Foto: dpa
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Die Bayer AG ist im ersten Prozess wegen möglicher Nebenwirkungen des zurückgerufenen Cholesterinsenkers Lipobay überraschend freigesprochen worden. Der Leverkusener Pharmakonzern sei nicht verantwortlich für die Gesundheitsprobleme des Klägers, entschied die Jury des Gerichts in Corpus Christi im US-Bundesstaat Texas.
Geklagt hatte der 82-jährige Hollis Haltom. Er litt nach Angaben seiner Anwälte unter starken Nebenwirkungen in Form von Muskelstörungen, nachdem er Lipobay eingenommen hatte. Haltoms Anwälte hatten Bayer vorgeworfen, schon vor der Rücknahme des Cholesterinsenkers im August 2001 von den Gefahren gewusst zu haben, und den Konzern auf 560 Millionen US-Dollar Schadensersatz verklagt. Die Jury musste demnach nicht darüber entscheiden, wie stark der Kläger unter den Nebenwirkungen gelitten hat, sondern ob Bayer angemessen reagierte.
Branchenkenner werteten den Freispruch als wichtigen Etappensieg für Bayer. Zwar sind in den USA noch mehr als 8 400 Klagen wegen Lipobay anhängig, aber das Verfahren in Texas galt als Musterfall, den die Klägerseite mit Bedacht gewählt hatte. Dementsprechend optimistisch für die nächsten Verfahren äußerte sich Bayer-Anwalt Philip S. Beck: Zwar könne man nicht erwarten, dass nun alle anhängigen Prozesse gewonnen würden, es sei aber ermutigend, dass Bayer gerade den ersten Fall gewonnen habe. Die Entscheidung bestätige, dass Bayer bei der Vermarktung und beim Rückruf des Produkts verantwortungsvoll gehandelt habe.
In der Tat hatte Bayer seinerzeit sehr schnell auf die Situation reagiert – wie auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bonn, nach zunächst geäußerten harschen Vorwürfen einräumen musste. Bayer habe keine sicherheitsrelevanten Informationen zurückgehalten, meldete das Institut am 13. September 2001. Das Unternehmen habe die wichtigen Informationen zur Gegenanzeige von Lipobay mit Gemfibriozil rechtzeitig den im europäischen Verfahren zuständigen Behörden in Großbritannien mitgeteilt. Von dort sei die Nachricht an die Aufsichtsbehörden der anderen Mitgliedstaaten gelangt.
Die Anleger an den Börsen reagierten zunächst euphorisch auf das Urteil (siehe den Börsebius-Kommentar in diesem Heft). Wegen der großen Unsicherheit über die Höhe möglicher Lipobay-Schadensersatzzahlungen hatte das Bayer-Papier seit Jahresanfang rund 50 Prozent an Wert verloren. Analysten hatten spekuliert, dass der Konzern bis zu zehn Milliarden Euro an Schadenersatz zu bezahlen habe. Nach dem Urteil in Corpus Christi fallen diese Schätzungen nun deutlich günstiger aus. Jens Flintrop
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