ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2003Deutsche Guggenheim Berlin: Künstler der Eleganz

VARIA: Feuilleton

Deutsche Guggenheim Berlin: Künstler der Eleganz

Dtsch Arztebl 2003; 100(13): A-862 / B-729 / C-682

Lenze, Susanne

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Schwarzer Kreis, 1915, 79 cm × 79 cm
Schwarzer Kreis, 1915, 79 cm × 79 cm
85 Gemälde und Objekte von Kasimir Malewitsch
Als ich im Jahre 1913 in meinem verzweifelten Bestreben, die Kunst von dem Ballast des Gegenständ-
lichen zu befreien, zu der Form des Quadrats flüchte-
te und ein Bild, das nichts als ein schwarzes Quadrat auf weißem Felde darstellte, ausstellte, seufzte die Kritik und mit ihr die Gesellschaft“, sagte Kasimir Malewitsch, russischer Künstler, im Jahre 1927.
Kasimir Malewitsch (1878 bis 1935) gilt als richtung-
weisender Mitbegründer der abstrakten Kunst. Mit sei-
nen ungegenständlichen Zeichen, Symbolen, Formen und Wortfragmenten begann er sich 1913 mit dieser Art von Kunst auseinander zu set-
zen. Zwischen 1915 und 1932 entwickelte er eine Form
ungegenständlicher Malerei, die er als Suprematismus oder nach seinen Worten „den neuen Realismus in
der Malerei“ oder auch „Theorie der ungegenständlichen Kunst“ bezeichnete. In dieser Zeit erkannte er, „dass die Kunst der Inhalt des Lebens werden muss, denn nur so kann Leben schön sein“. Um dem sich ständig wei-
terentwickelnden Suprematismus gerecht zu werden, gab Malewitsch die Male-
rei zugunsten anderer Ausdrucksformen auf. Seine gegenstandslosen Schöpfungen waren ein Protest gegen traditionelles Formenrepertoire, eben die Aufhebung von Kubismus und Futurismus.
Die Ausstellung „Kasimir Malewitsch – Suprematismus“ beschränkt sich auf die suprematistische Periode zwischen 1915 und 1927. Darunter befinden sich auch noch nie im Westen gezeigte Arbeiten. Zwei Gemälde dieser Ausstellung waren schon vor achtzig Jahren unweit des heutigen Guggenheim in der Galerie Van Diemen zu sehen. Gezeigt wurden damals mehr als 1 000 Bilder von konservativen sowie von suprematistischen konstruktivistischen Künstlern. Sechs Werke von Malewitsch wurden damals bei der Ausstellung präsentiert.
Suprematismus, 1915–1916, 80 cm × 80 cm Fotos: Deutsche Guggenheim Berlin
Suprematismus, 1915–1916, 80 cm × 80 cm Fotos: Deutsche Guggenheim Berlin
Seinen konsequenten Bruch mit dem Kubismus offenbar-
te 1915 das „Schwarze Quadrat“, das für die russische Avantgarde zum zentralen Werk wurde. Im Herbst 1915 wurde das „Schwarze Quadrat“ zum ersten Mal im Kunstsalon „Dobytschina“ in St. Petersburg gezeigt. Damals hing es noch oben in der Ecke des Ausstellungsraumes – der traditionelle Platz der religiösen Ikone in russischen Privathäusern. „Das ,Schwar-
ze Quadrat‘ fasste Malewitsch als ein kolossal wichtiges Ereignis für sein Schaffen auf, dass er nach seiner eigenen Schilderung eine Woche lang weder trinken noch essen, noch schlafen konnte“, berichtete Anna Leporskaia, Studentin und Mitarbeiterin Malewitschs. Die Ausstellung wird im Anschluss in New York und Houston zu sehen sein. Susanne Lenze

Die Ausstellung ist bis zum 27. April täglich von 11 bis 20 Uhr und donnerstags bis 22 Uhr geöffnet.
Unentgeltliche Führungen täglich um 18 Uhr, Themenführungen sonntags 11.30 Uhr. Kontaktadresse:
Deutsche Guggenheim Berlin, Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin, Telefon: 0 30/20 20 93-0. Katalog: 35 Euro.
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