ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003zu Irak: Was kommt nach dem Danach?

VARIA: Schlusspunkt

zu Irak: Was kommt nach dem Danach?

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): [80]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Den Beginn des Irak-Krieges haben die Börsen zum Anlass genommen, mit markanten Kursgewinnen auf Aktien zu brillieren. Das so nicht erwartete Stocken des Vormarsches und der Mut westlicher Journalisten, keine US-Hofberichterstattung zu betreiben, hat zu der wachsenden Einsicht geführt, dass noch viele blutige Meter zu gehen sind, bis die Bataille endgültig geschlagen ist.
Die Finanzmärkte hätten auf die Erkenntnis, dass auf Sicht eben nicht mehr mit einem schnellen, fast ist man geneigt, schmerzfreien Waffengang zu rechnen sei, eigentlich mit drastisch fallenden Kursen reagieren müssen. Das haben sie aber gerade nicht getan. Die Kursverluste halten sich bislang sehr in Grenzen. Spielt der Ausgang des Irak-Krieges etwa nicht die entscheidende Rolle, wie viele glauben, oder haben die Marktteilnehmer den Ernst der Lage nicht richtig begriffen? Sicher ist, dass der Irak-Krieg wohl schon seit Jahren auf der Agenda von George W. Bush, insbesondere aber auf der von Donald Rumsfeld steht. Ziemlich wahrscheinlich dürfte auch der Ausgang des Krieges mit einer wie auch immer gearteten Ablösung von Saddam Hussein und seinem diktatorischen Regime sein. Dies ist letztlich bloß eine Frage der Zeit.
Genauso sicher dürften die anderen Nationen, besonders auch Deutschland und Frankreich, zum Wiederaufbau des Irak zur Kasse gebeten werden, schlicht deswegen, weil den USA das Geld fehlen wird und weil manche unserer Politiker diese „Gelegenheit“ dankbar ergreifen werden, um sich in Washington wieder Liebkind zu machen. Dieses Szenario führt möglicherweise genau zu dem, für so manchen erstaunlichen, Umstand, dass die Finanzmärkte eben nicht weiter einbrechen.
Zuzutreffen scheint mir aber auch, dass die Börsen durchaus in der Lage sind, die Zukunft in ihren Kursen zu reflektieren. Die Frage ist eher der in Betracht kommende Zeitraum. Hier scheint mir der Fokus des „normalen“ Anlegers von dem der großen Players, wie den Publikums-Fonds, den Versicherungen und den sehr potenten Pensionskassen, ziemlich abzuweichen. Der Horizont dieser professionellen Investoren richtet sich wohl mehr auf eine Zehnjahresschiene oder länger.
Danach kann, so schrecklich es klingt, getrost davon ausgegangen werden, dass nach 36 Monaten kaum ein Mensch vom Irak und den vielen tausend Toten mehr reden wird. Andere Blickfelder rücken in den Vordergrund. Mit einiger Sicherheit wird in drei bis fünf Jahren die (funktionierende) europäische Osterweiterung eine bedeutende Rolle im globalen Wirtschaftsgeschehen spielen, neben den verbesserten Umsatzchancen in China. Dass sich hieraus positive Unternehmensmeldungen auch für deutsche Gesellschaften ableiten, dürfte fast auf der Hand liegen. Nach dem „Danach“ des Irak haben wir also begründete Hoffnung auf bessere Zeiten.
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