ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1996Rekombinantes follikelstimulierendes Hormon: Hohe Effizienz bei niedriger Dosis

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Rekombinantes follikelstimulierendes Hormon: Hohe Effizienz bei niedriger Dosis

Petersen, Ursula

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LNSLNS Die Entwicklung des rekombinanten follikelstimulierenden Hormons (FSH) ist ein wesentlicher Fortschritt in der medikamentösen Sterilitätstherapie. Damit wurde der Engpaß in der Versorgung mit Gonadotropinen überwunden; denn das Ausgangsprodukt für die "alten" Gonadotropine, der Urin postmenopausaler Frauen, steht nur begrenzt zur Verfügung.
Durch die gentechnologische Herstellung von FSH wurde, so Dr. Alexander Rübig (Oberschleißheim), aber nicht nur das Bedarfsproblem gelöst; sie ermöglicht auch eine absolute Herkunftskontrolle. So zeichnet sich das neue Präparat (Puregon®, Organon) durch eine fast hundertprozentige Reinheit aus, wie Rübig auf der Fachpressekonferenz in Dublin betonte. IVF-Studien mit Puregon® zeigten nicht nur eine vergleichbare Wirksamkeit gegenüber dem urinären Produkt, sondern es wurde auch eine weitaus höhere Zahl von heranwachsenden Follikeln (Durchmesser über 15 mm) erreicht. So konnten mehr Eizellen für den Transfer gewonnen werden als bei urinärem FSH, so daß die Chancen für eine Schwangerschaft sich erhöhten. Diese höhere Effizienz wurde mit einer niedrigeren Gesamtdosis und in einer kürzeren Behandlungszeit erreicht. Auch bei der kontrollierten Stimulation chronisch anovulatorischer Frauen zeigten die Ergebnisse von Doppelblindstudien nach "getimtem" Geschlechtsverkehr höhere Schwangerschaftsraten unter rekombinantem FSH (27 Prozent) gegenüber urinärem FSH (24 Prozent). Die Stimulation beim urinären FSH dauerte im Vergleich zum rekombinanten FSH drei Tage länger bei höherer Gesamtdosis. Diese höhere Effektivität von rekombinantem FSH zeigte sich auch, wie Dr. Olaf G. Naether (Hamburg) dokumentierte, in Ergebnissen einer prospektiven europäischen Multizenterstudie: vergleichbare Ovulations- und Schwangerschaftsraten bei hochsignifikant kürzerer Stimulationsdauer und geringerer Dosis. Hervorzuheben sind folgende Eigenschaften für das rekombinante FSH: l ständige Verfügbarkeit bei gleichbleibender Qualität
l keine Aktivität des luteinisierenden Hormons (LH) l keine Verunreinigung durch unwirksame Begleitstoffe
l keine allergischen Reaktionen
l keine Infektionsübertragung.
Einen Therapievorteil mit rekombinantem FSH sieht Naether auch in der möglichen Selbstinjektion (subkutan). Das Präparat Puregon® wird in Ampullen mit 50 I.E. und mit 100 I.E. angeboten. Die Entwicklung des rekombinanten FSH hat gleichzeitig auch zu neuen Einsichten in die genetische Steuerung der Gonadotropinsekretion und die unterschiedliche Biopotenz der basischen und sauren Formen der Isohormone geführt. In Zukunft, so resümierte Prof. Hans van der Ven (Bonn), könnte daraus eine Stimulationstherapie resultieren, die direkt auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen zugeschnitten werden kann. Ursula Petersen
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