ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Kassenärztliche Abrechnungen: Mit offenen Karten

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Kassenärztliche Abrechnungen: Mit offenen Karten

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-873 / B-737 / C-689

Maus, Josef

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LNSLNS Kassenärzte werden seit Jahren in erschreckender Regelmäßigkeit mit dem Vorwurf konfrontiert, betrügerisch abzurechnen. Zuletzt war dies in Niedersachsen der Fall. Dort sollen in größerem Ausmaß Leistungen an Patienten abgerechnet worden sein, die längst gestorben waren.
Ebenfalls in Niedersachsen startet noch in diesem Jahr ein Modellversuch, der auf verblüffend einfache Weise mehr Transparenz in die ärztlichen Abrechnungen bringen soll. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) haben vereinbart, dass von Oktober an 1 500 per Stichprobe erhobene Versicherte eine detaillierte Arztrechnung erhalten. Die Information beinhaltet den Namen des Arztes, die Daten der Behandlungstage, die abgerechneten Leistungen in einer verständlichen Sprache und die Behandlungskosten in Euro. Die betroffenen Ärzte erfahren über ihre KV, dass sie in der Stichprobe sind und die Leistungsauskünfte an einen oder mehrere KKH-Versicherte versandt wurden. An wen die Rechnungen gehen, bleibt geheim. Stoßen die Versicherten auf Ungereimtheiten, werden KV und Krankenkasse dem gemeinsam nachgehen.
Dieses Verfahren hat den Vorteil, mit relativ geringem Verwaltungsaufwand auszukommen. Es zeigt aber auch, was Transparenz eigentlich bedeutet: Kontrolle!
Nichts anderes hat die Politik im Sinn, wenn sie gebetsmühlenartig ein „transparentes“ Gesundheitswesen beschwört. Argumente wie „Kostenbewusstsein“ oder „Nachvollziehbarkeit des Leistungsgeschehens“ sind da nur vorgeschoben. Die Politik will den Ärzten auf die Finger schauen.
In Niedersachsen wird dies künftig praktiziert. Bevor nun aber Vorwürfe laut werden, hier würden die Ärzte unter Generalverdacht gestellt, sollte man die positiven Auswirkungen abwägen. Die KV zeigt Bereitschaft, mit offenen Karten zu spielen. Klüngeleien und das Gebaren einer „Schutzgemeinschaft“ kann man ihr nicht mehr vorwerfen. Die Ärzte wissen, dass von nun an jeder in die regelmäßige Stichprobe fallen kann. Korrekt abrechnende Ärzte sollten dies mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen. Und schließlich: Wenn die erbrachten Leistungen auch noch in Euro aufgeführt sind, gibt es endlich echte Transparenz über die ärztliche Vergütung. Ob das der Politik und den Krankenkassen gefallen wird? Josef Maus
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