ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Schlaganfall: Patienten verkennen häufig Warnzeichen

AKTUELL: Akut

Schlaganfall: Patienten verkennen häufig Warnzeichen

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-877 / B-741 / C-693

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Subtile Symptome eines Schlaganfalls werden von den Patienten oder ihren Angehörigen häufig verkannt. Dies zeigt eine Auswertung von Anrufen bei der zentralen Notrufzentrale in Nürnberg, die jetzt in der Online-Ausgabe von „Stroke“ (2003,10.1161/01. STR.0000063366.98459.1F) veröffentlicht wurde. Seit etwa einem Jahrzehnt gilt der Schlaganfall als eine potenziell behandelbare Erkrankung. Die Chancen hängen unter anderem davon ab, dass der Schlaganfall rechtzeitig diagnostiziert wird. Nach Angaben von René Handschuh (Abteilung für Neurologie der Universität Erlangen-Nürnberg) ist dies jedoch noch zu wenig in dem Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Subtile Hinweise wie etwa leichte Benommenheit, Übelkeit, taubes Gefühl in einer Gliedmaße oder eine Schwäche der Gesichtsmuskulatur sind für die Menschen kein Grund, die Angehörigen damit zu belästigen oder sogar eine Notfallambulanz der nächsten Klinik aufzusuchen. Diese Zurückhaltung sei dafür verantwortlich, dass noch immer die Mehrheit der Patienten die Klinik zu spät für eine thrombolytische Behandlung erreiche.

Ausgewertet wurden die Aufzeichnungen von 141 Schlaganfall-Patienten, die sich zunächst an die zentrale Notrufzentrale in Nürnberg gewandt hatten. Ein Viertel der Patienten klagte über Sprachprobleme, jeder Fünfte über eine Muskelschwäche in einer Gliedmaße, etwa jeder Sechste über eine Veränderung des Bewusstseins. In jedem fünften Fall war ein Sturz der Anlass für den Anruf. Jeder Zehnte berichtete über eine Gesichtsmuskelschwäche. Taubheitsgefühle wurden nur von acht Prozent, Benommenheit nur von sechs Prozent beschrieben. Wichtig ist, dass nur etwa 20 Prozent der Patienten den Verdacht hatten, dass sie einen Schlaganfall erlitten hatten. In der Notrufzentrale wurde diese Verdachtsdiagnose jedoch allein aufgrund der mündlichen Angaben in 52 Prozent der Fälle gestellt.

Vom ersten Symptom bis zum Anruf vergingen im Durchschnitt 38 Minuten. Der Krankenwagen war innerhalb von zwölf Minuten am Ort und nach 51 Minuten in den Kliniken. Bis zum Beginn der Behandlung vergingen noch einmal 40 Minuten, erklärte Handschuh. Die größten Verzögerungen bis zum Anruf gab es bei älteren Patienten, die allein lebten beziehungsweise nicht mehr in der Lage waren, einen Notruf abzugeben. Der Notarzt wurde in der Regel von Ehepartner, Kindern oder Nachbarn alarmiert. Diese Personen sind eine wichtige Zielgruppe für Aufklärungsmaßnahmen. Rüdiger Meyer
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