ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Irak-Krieg: Universitätsstandard für verletzte US-Soldaten

POLITIK

Irak-Krieg: Universitätsstandard für verletzte US-Soldaten

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-889 / B-751 / C-702

Bördlein, Ingeborg

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Chefkrankenschwester Major Frances Ward kümmert sich um einen beatmeten Patienten. Foto: dpa
Chefkrankenschwester Major Frances Ward kümmert sich um einen beatmeten Patienten. Foto: dpa
Das Militärkrankenhaus „Landstuhl Regional Medical Center“ in der Pfalz ist das größte medizinische Zentrum der US-amerikanischen Streitkräfte außerhalb der Vereinigten Staaten.

Amerikanische Soldaten, die im Irak schwere Verwundungen erleiden, werden zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen. Inzwischen sind 24 (Stand 27. März, 10.33 Uhr) Kriegsverletzte ins „Landstuhl Regional Medical Center“ (LRMC), dem größten medizinischen Zentrum der US-amerikanischen Streitkräfte außerhalb der USA, nach Landstuhl bei Kaiserslautern gebracht worden. Die Klinik im pfälzischen Landstuhl liegt etwa fünf Kilometer von der amerikanischen Airbase Ramstein entfernt.
Nach Angaben der Kliniksprecherin Marie Shaw ist das LRMC Hauptaufnahmestelle für die verwundeten US-Soldaten im Irak. In dem Hospital werden Verletzte im Zusammenhang mit „amerikanischen Operationen“ in Europa, Südwestasien und dem Mittleren Osten medizinisch versorgt. Doch nicht nur Kriegsopfer werden dort behandelt. In Friedenszeiten steht das hochmoderne Krankenhaus mit sämtlichen medizinischen Abteilungen einer Klinik der Maximalversorgung für mehr als 250 000 amerikanische Militärangehörige und deren Familien in Europa zur Verfügung. Ihm wird der Standard einer Universitätsklinik bescheinigt.
Im Normalbetrieb hat das LRMC 160 Betten und 120 Ärzte, die alle dem amerikanischen Militär angehören. In Erwartung der Kriegsverletzten wurde die Bettenkapazität vorerst auf 300 aufgestockt. Eine weitere Erhöhung auf 450 sei bei Bedarf möglich, erklärte die Sprecherin. Nach ihren Angaben wurden für die Versorgung der Kriegsopfer 600 Reservisten nach Landstuhl beordert, das reicht von hoch spezialisierten Ärzten über zusätzliche Pflegekräfte bis zu technischem und administrativem Personal.
So wurden Experten für Brandverletzungen, Neurochirurgen, Intensivmediziner und zusätzliche Chirurgen aus den USA geholt. Insgesamt verfügt das Militärhospital über zwölf Intensivplätze, Isolierstationen sind ebenfalls vorhanden sowie Spezialeinheiten für Brandopfer. Mehr als 500 Brandverletzte wurden in dem Zentrum beispielsweise nach der Flugzeugkollision bei einer Flugschau auf dem US-Militärflughafen in Ramstein im Jahre 1988 medizinisch versorgt. Die Sprecherin wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nicht nur US-Soldaten, sondern auch Nato-Angehörige dort aufgenommen werden können.
Das Militärhospital ist seit vielen Jahren eine wichtige Anlaufstelle für Verletzte bei militärischen Konflikten. Im zweiten Golfkrieg 1991 wurden hier mehr als 4 000 verwundete amerikanische Soldaten behandelt. Aus dem Kriegsgebiet in Afghanistan waren während der Operation „Enduring Freedom“ 1 200 Soldaten nach Landstuhl ausgeflogen worden. Hier wurden auch Hunderte von bosnischen Flüchtlingen, die bei dem Bombardement des Marktplatzes von Sarajevo verletzt worden sind, betreut sowie die Opfer des Anschlags auf die Botschaft von Nairobi im August 1998.
Die ersten Patienten wurden vor 50 Jahren in dem damals noch nicht fertig gestellten amerikanischen Hospital in Landstuhl behandelt. Seinen heutigen Namen erhielt das LRMC nach einem Erweiterungsbau im Jahr 1994. Im so genannten Fisher-House, einem Klinikgebäude mit Hotelcharakter, das im Jahre 2000 eröffnet und nach dem Anschlag vom 11. September noch einmal erweitert worden ist, finden erkrankte und verwundete Militärangehörige aus aller Welt Aufnahme. Die Familienangehörigen können in ihrer unmittelbaren Nähe unterkommen.
Die Klinikstatistik weist im Durchschnitt 16 stationäre Aufnahmen pro Tag, 37 000 ambulante Patienten und 510 Operationen pro Monat sowie drei Geburten täglich aus. Aufgrund ihres hohen medizinischen und technischen Standards beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patienten im LRMC nur etwa drei Tage. Je nach Schweregrad der Verletzung rechnet die Sprecherin bei den Verwundeten aus dem Irak-Krieg mit Aufenthalten bis zu zehn Tagen, ehe sie in ihr Heimatland ausgeflogen werden können.
Für die Militärangehörigen ist die Behandlung kostenlos. Die Angehörigen zahlen für ihren Aufenthalt dort etwa zehn Dollar pro Tag. Das amerikanische Militärhospital wird vom leitenden Kommandanten David Rubinstein als „das sicherste der Welt“ bezeichnet. Es wird rund um die Uhr von einem Militärbataillon der Airforce bewacht. Ingeborg Bördlein
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