ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Mindestmenge als alleiniger Qualitätsindikator unzureichend? Schlusswort

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Mindestmenge als alleiniger Qualitätsindikator unzureichend? Schlusswort

Geraedts, Max

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LNSLNS Die Diskussionsbeiträge zeigen zunächst, dass wir unser Hauptanliegen erreicht haben, nämlich die Diskussion um die Festlegung starrer Mindestmengen anzuregen. Den Autoren Costa, Krapfl und Hermann können wir nur beipflichten, dass es um die allgemeine Verbesserung von Diagnostik und Therapie geht. Dazu könnten verschiedene Mittel hilfreich sein – unter anderem eben auch eine Konzentration hoch spezialisierter Leistungen auf interdisziplinär arbeitende Zentren mit ausreichender Erfahrung, oder aber, wie von Brustzentren in Nordrhein-Westfalen ebenfalls verlangt, eine Kooperation mit dem ambulanten Sektor und Selbsthilfegruppen, die Einführung eines Qualitätsmanagements, die Beteiligung an Studien und die Bereitstellung aller diagnostischen und therapeutischen Optionen.
Das Dilemma bleibt aber, bei mangelhafter Studienlage zu entscheiden, welches Mittel oder welche Kombination von Mitteln am ehesten geeignet ist, eine Verbesserung der Versorgung zu erzielen. Vorschnelle Schlussfolgerungen und Entscheidungen aufgrund oberflächlicher Studienanalysen helfen unseres Erachtens nicht dabei, die Versorgung möglichst vieler Patienten optimal zu gestalten. Im Gegensatz zu Herrn du Bois halten wir die Einführung weiterer, nicht ausreichend in unserem Gesundheitssystem erprobter Steuerungsinstrumente für potenziell gefährlicher als den Verzicht auf diese Instrumente. Unsere Warnung vor überzogenen Mindestanforderungen und den davon ausgehenden Gefahren sowie die unter Abwägung potenziell positiver Effekte abgeleitete Kompromissformel ist mitnichten realitätsfern, sondern entspricht vielmehr dem allgemein anerkannten Stand der wissenschaftlichen Diskussion. Darüber hinaus konnten wir in unsere Arbeit die praktischen Erfahrungen der Autoren aus mehr als zehnjähriger klinischer Patientenversorgung in Kliniken mit ausgewiesener Expertise in der Behandlung von Patientinnen mit Mammakarzinom einbringen.
Wieso verlangen wir für therapeutische Verfahren umfangreiche klinische Prüfungen, vergessen jedoch diese Prüfungen regelhaft bei der Einführung neuer gesundheitspolitischer Maßnahmen? Am Beispiel der Mindestmengenregelungen darauf hingewiesen zu haben, erscheint uns für die aktuelle Diskussion um weitere Reformen im Gesundheitswesen von großer Bedeutung.

Literatur beim Verfasser
Prof. Dr. med. Max Geraedts, MPH, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
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