ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Irak: Alte/neue Ressentiments

BRIEFE

Irak: Alte/neue Ressentiments

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-903 / B-762 / C-713

Linge, Christoph

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LNSLNS Richtig, die Menschen im Irak sind arm dran – in jeder Hinsicht. Sie werden es unter einem S. Hussein aber immer bleiben, ohne jegliche Perspektive. Dass das Embargo ausschließlich die Bevölkerung trifft, wundert bei einem Regime, das sich um „seine“ Menschen einen Dreck schert, nun wirklich nicht. Natürlich wird eine militärische Intervention zu dessen Beseitigung Opfer fordern, aber auch so wird das Sterben weitergehen: nicht nur in den Folterkellern, auch die kranken Kinder werden, wenn’s den Interessen des Regimes dient, weiterhin „medienwirksam“ vor westlichen Kameras krepieren müssen. Jetzt, wo sich jemand „rüstet“, dem Übel an die Wurzel zu gehen, feiert man sich hierzulande als die „friedlichen Guten“, nein, „Besseren“: Kann man sich so doch herrlich „friedlich“ über die „Kriegstreiber“ erheben. Und ungestraft, geht’s doch um den hehren Frieden, kann man die alten/neuen Ressentiments gegen Amerika und Israel abfeiern. „Edel“ barmt man um die Erhaltung des Status quo im Nahen Osten. Die Zeche dafür zahlen ja andere: die irakische Bevölkerung, für die dann alles so weitergeht wie bisher, die arabischen Völker, von ihren Despoten und religiösen Fanatikern terrorisiert, werden weiter betrogen um jegliche Perspektive auf Entwicklung und Frieden. Letzteres gilt übrigens genauso für Israel. Und wer mit „Kein Blut für Öl“ (ein Slogan, der dem Repertoire eines „völkischen“ Schriftstellers entliehen ist) glaubt, die „bösen US-Imperialisten“ von den irakischen Ölfeldern fern halten zu können, dem sei gesagt, dass da unsere französischen Freunde (TotalFina) schon längst angekommen sind.
Dr. Christoph Linge,
Zumsteinstraße 6, 78464 Konstanz
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