ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Irak: Zurückgebombt in die Steinzeit

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Irak: Zurückgebombt in die Steinzeit

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-904

Kindle, F.

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LNSLNS Ein fortschrittliches Gesundheitssystem liegt am Boden, oder anders ausgedrückt: zurückgebombt in die Steinzeit. Der brutale Zynismus der amerikanischen und britischen Sanktionskomitees gegenüber den an Leukämie sterbenden Kindern sollte uns zu denken geben.
Erfreulich ist, dass endlich auch das DÄ über die verheerende Lage im Irak berichtet, bedenkt man, dass dieses Land, im Vergleich zu seinen mittelalterlichen Nachbarländern, tatsächlich am weitesten entwickelt war: eben kein Handabhacken, keine Genitalverstümmelung, kein Schleierzwang usw., und 1991 mit der brutalsten und modernsten Kriegsmaschinerie der Amerikaner einfach platt gemacht. Die verheerenden Folgen, u. a. die weltweit höchsten Kinderkrebsraten, führen die irakischen Ärzte zu Recht auf die Geschosse mit abgereichertem Uran zurück. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die bereits 1996 im Ahriman-Verlag Freiburg erschienene, sehr informative und Augen öffnende Dokumentation von Prof. Siegwart-Horst Günther „Uran-Geschosse: Schwergeschädigte Soldaten, missgebildete Neugeborene, sterbende Kinder“ aufmerksam machen, auf die ich vor einiger Zeit gestoßen bin. Es ist Prof. Günthers Verdienst, dem „Golfkriegs-Syndrom“ auf die Spur gekommen zu sein. Als Präsident des Gelben Kreuzes International hat er zahlreiche Hilfslieferungen für die hungernde und kranke irakische Bevölkerung organisiert und selbst durchgeführt. In seiner Eigenschaft als Professor für Infektionskrankheiten und Epidemiologie an der Universität Bagdad stieß der Mediziner bei der Untersuchung seiner Kinderpatienten auf ein bislang unbekanntes Krankheitsbild. Weitere Nachforschungen ergaben, dass diese bei Mensch und Tier zu beobachtenden, regelmäßig zu einem qualvollen Tod führenden Krankheitssymptome von einer neuen Waffentechnik herrühren, die bei der Zerstörung des Irak erstmals flächendeckend zum Einsatz kam: die Verwendung von Geschosskernen mit abgereichertem Uran.
Es ist ein absolutes Armutszeugnis der WHO, bislang keine Ursachenforschung vorlegen zu können – man will es offensichtlich nicht! –, vergleicht man dazu die mutige Leistung von Prof. Günther, immerhin unter Einsatz seines Lebens.
Dr. med. F. Kindle, Lilienstraße 11, 64747 Breuberg
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