ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Sektionen: Gunther von Hagens öffentlich entehren?

BRIEFE

Sektionen: Gunther von Hagens öffentlich entehren?

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-905

Schuss, Udo

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS W. Hogarths Bild von 1751 trägt den Titel „Lohn der Grausamkeit“. An dem (bereits toten) Unhold Tom Nero wird in moralisch belehrender Weise ein grausig-abschreckendes Exempel (Krug, 1986) vorgeführt. Der Leichnam wird nicht seziert, sondern geschunden, zerstückelt und über den Tod hinaus entehrt: Die Gedärme hängen aus dem Leib und ein Hund frisst das zu Boden gefallene Herz.
Sollen wir nun Gunther von Hagens ähnlich jenem Unhold öffentlich entehren? Der überwiegende Teil der Besucher der Körperwelten war tief beeindruckt und reagierte mit Respekt vor den Spendern und vor der Leistung von Hagens’. Von Jahrmarktatmosphäre und Kommerz keine Spur! Dass die universitäre Anatomie dem Tabubrecher v. Hagens keinen Raum gibt, das ist wohl eher das Problem der Adepten jener traditionellen Ikonographie, die die Medizin „im geschützten Raum“ verwalten will. Die Sozialgeschichte der Medizin belegt, dass der Argwohn gegenüber dieser Internierung berechtigt ist. Darüber nachzudenken wäre hilfreicher als wieder einmal am Scheiterhaufen zu zündeln.
Dr. Udo Schuss, Katharinenhospital, Kriegsbergstraße 60, 70174 Stuttgart
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige