ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Körperliche Bewegung bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit: Weniger ist mitunter doch mehr

MEDIZIN: Diskussion

Körperliche Bewegung bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit: Weniger ist mitunter doch mehr

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-932 / B-784 / C-732

Leyk, Dieter

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LNSLNS Als weit verbreitete und chronische Erkrankung führt die PAVK zu hohen Folgekosten, die in einer Größenordnung von mehreren Milliarden Euro pro Jahr liegen dürften. Körperliche Bewegung gehört sicherlich zu einer der wirkungsvollsten und kostengünstigen Maßnahmen in Prävention und Rehabilitation, was auch aus dem Beitrag von Steinacker et al. eindeutig hervorgeht.
Kontraproduktiv und kaum gerechtfertigt erscheinen allerdings die – sogar in der Zusammenfassung zu lesenden Trainingsempfehlungen: PAVK-Patienten sollen mit hoher Belastungsintensität („Training mit einer Intensität über der Ischämieschwelle“) trainieren, aufgrund einer „Metaanalyse“ sogar „bei stärkerem Claudicatioschmerz“.
Rheologisch macht das keinen großen Sinn: Die provozierte Acidose und Hypoxie führen zu einer verminderten Membranverformbarkeit der Erythrozyten, die Kapillarpassage wird erschwert und die Durchblutungsbedingungen verschlechtern sich. Und auf den Sport beziehungsweise die Trainingswissenschaften übertragen, bedeuten die Empfehlungen, dass Marathonläufer künftig ein 400-m-Training absolvieren sollten.
Sinnvoll ist dagegen der Vorschlag, eine intervallartige Trainingstherapie durchzuführen: Nur – um diese effizient gestalten zu können – müssen die Zeitgänge bekannt sein, in der sich die Muskeldurchblutung bei körperlicher Arbeit ändert. Hier hilft ein Blick in die einschlägige Primärliteratur: Schon einzelne Kontraktionen gegen geringe Widerstände führen in der aktiven Muskulatur zu einer schnellen und länger anhaltenden Durchblutungssteigerung. PAVK-Patienten könnten also ohne nennenswerte metabolische Belastung – zum Beispiel durch kurze intervallartige Serien mit dynamischen Kontraktionen – eine deutliche Durchblutungsverbesserung in einem schlecht versorgten Muskel erzielen. Weniger ist dann halt doch mehr!

Literatur
1. Johnson PC: The myogenic response. In: Shepherd JT, Abboud FM: Handbook of Physiology. Sect 2: The cardiovascular systems. Vol 2: Vascular smooth muscle. Am Physiol Soc, Bethesda 1980; 409–442.
2. Leyk D: Kreislauf und Sport: Einstellung und Kontrolle der peripheren Durchblutung. In: Leyk D, Lötzerich H, (eds.): Sportwissenschaftliche Arbeiten aus dem Bereich Medizin und Naturwissenschaften. Köln: Strauß 1999.
3. Leyk D, Baum K, Wamser P, Wackerhage H, Eßfeld D: Cardiac output, leg blood flow and oxygen uptake during foot plantarflexions. Int J Sports Med 1999; 20: 510–515.
4. Leyk D, Eßfeld D, Baum K, Stegemann J: Early leg blood flow adjustment during dynamic foot plantaflexions in upright and supine body position. Int J Sports Med 1994; 15: 451–456.
5. Leyk D, Eßfeld D, Baum K, Stegemann J: Influence of calf muscle contractions on blood flow parameters measured in the arteria femoralis. Int J Sports Med 1992; 13: 588–593.
6. Mohrman DE, Sparks HV: Myogenic hyperemia following brief tetanus of canine skeletal muscle. Am J Physiol 1974; 227: 531–535.

Priv.-Doz. Dr. med. Dr. Sportwiss. Dieter Leyk
Physiologisches Institut
Deutsche Sporthochschule Köln
Carl-Diem-Weg 6, 50933 Köln

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