ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Photodynamische Therapie: Präzise gegen Keratosen und Karzinome

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Photodynamische Therapie: Präzise gegen Keratosen und Karzinome

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-936

Hoc, Siegfried

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Multiple aktinische Keratosen: klinisches Bild zu Beginn von zwei Sitzungen innerhalb von sieben Tagen (links) und drei Monate später (rechts) Foto: Galderma Laboratorium GmbH
Multiple aktinische Keratosen: klinisches Bild zu Beginn von zwei Sitzungen innerhalb von sieben Tagen (links) und drei Monate später (rechts) Foto: Galderma Laboratorium GmbH
Für viele Menschen ist Sonnenbaden oder die Sonnenbank ein fester Bestandteil von Freizeit und Urlaub. Die Folge ist ein deutlicher Anstieg von Hauttumoren. Neben malignen Melanomen sind vor allem Basalzellkarzinome (früher als Basaliome bezeichnet) und aktinische Keratosen signifikant häufiger geworden.
Das Basalzellkarzinom (BZK) tritt bevorzugt im sechsten bis achten Lebensjahrzehnt auf und ist mit einer Morbiditätsrate von 60 bis 100 pro 100 000 Einwohnern der häufigste Tumor des Menschen in Deutschland. Dieser epidermale Tumor wächst örtlich infiltrierend und destruierend, jedoch metastasiert er nur in Ausnahmefällen. Der häufigste Subtyp ist das solide BZK, das sich klinisch als ein breitbasig aufsitzendes, glasiges Knötchen von wachsartiger Konsistenz darstellt.
Typisch sind Teleangiektasien und ein perlschnurartiger Rand. Betroffen sind in erster Linie sonnenexponierte Hautareale wie Kopf, Gesicht, Hals und Ohren bei Personen mit Hauttyp I und II. Als weitere ursächliche Faktoren nannte Prof. Thomas Ruzicka (Düsseldorf) eine genetische Belastung, ionisierende Strahlen (Radioderm) sowie Immunsuppression, zum Beispiel bei Organtransplantation.
Bei der aktinischen Keratose (AK) handelt es sich um ein intraepidermales Carcinoma in situ, das auch von selbst wieder abheilen kann. Diese Veränderung wird durch chronische Einwirkung von UV-B-Strahlen ausgelöst. Prädilektionsstellen sind daher Stirn, Kopfhaut, Nasenrücken, Ohrmuschel, Wangen, Unterlippe (aktinische Cheilitis) und Handrücken älterer Menschen. Das klinische Bild ist vielfältig: Es zeigen sich runde bis ovale, scharf begrenzte, gerötete Herde mit rauher Oberfläche (erythematischer Typ), die mit Zunahme der Verhornung eine gelbliche, schmutzigbraune oder grauschwarze Hornauflage bekommen können (keratotischer Typ). Etwa 20 Prozent der
AK gehen ohne adäquate Behandlung in ein spinozelluläres Karzinom über. Da diese Plattenepithelkarzinome im Gegensatz zu BZK auch metastasieren, sollte eine AK vollständig entfernt werden.
Im Falle des BZK können die Dermatologen auf operative Entfernung, Kryochirurgie, photodynamische Therapie, Strahlentherapie, lokale Chemotherapie mit 5-FU (Efudix®) oder lokale Immuntherapie mit Imiquimod (Aldaran®) zurückgreifen. Für die Behandlung von AK zählte Ruzicka auf: Operation, Kryochirurgie, photodynamische Therapie, CO2-Laser und lokale Chemotherapie.
Die photodynamische Therapie hat einen festen Platz in der Dermatologie. Ihre jüngste Weiterentwicklung mit der Kombination aus der Creme Metvix® und der Lichtquelle Aktilite® ist eine neue Therapieoption in der Behandlung des BZK und der AK, betonte Dr. Holger Petering (Hannover). In der Creme mit einer Eindringtiefe von gut drei Millimetern ist als Wirkstoff das Aminolaevulinsäure-Derivat Methyl-Amino-Oxo-Pentanoat (MAOP) enthalten, aus dem in der Haut durch Enzymeinwirkung ein Protoporphyrin entsteht. Dieses ist photoaktiv, und durch Lichteinwirkung verändert sich der Energiezustand des Moleküls. Der angeregte Zustand hat zur Folge, dass die eingestrahlte überschüssige Energie als sichtbares Licht wieder abgegeben wird. Die Tumorareale fluoreszieren daher. Dadurch ist eine fluoreszenzdiagnostische Abgrenzung der Tumoren und die Erkennung subklinischer Tumorvorstufen möglich.
Die eingestrahlte, überschüssige Energie wird auch auf den Sauerstoff in den Zellen übertragen, wodurch reaktive Sauerstoffradikale entstehen, wie Singulett-O2. Diese schädigen als starke Oxidativa zelluläre Strukturen wie Mitochondrien und andere Zellorganellen, Zytoskelett und Plasmamembran, nicht aber den Zellkern.
Da die erkrankten Hautareale keine intakte Epidermis mehr aufweisen und die Barrierefunktion der Haut reduziert ist, kann MAOP leichter penetrieren. Aufgrund der erhöhten Stoffwechselaktivität proliferierender Tumorzellen reichert sich das Intermediat Protoporphyrin im neoplastischen Gewebe an, sodass dieses besonders lichtsensibilisiert wird.
Die auf dieses Verfahren abgestimmte Lampe Aktilite ist mit Leuchtdioden als Lichtquelle ausgestattet, die kaltes Rotlicht um 634 nm emittieren. Dieses dringt ausreichend tief in die Haut ein und löst die photochemische Reaktion aus. Da keine Infrarotstrahlen auftreten, ist eine Wärmebelastung ausgeschlossen. Aufgrund der selektiven Anreicherung des MAOP in Tumorzellen bietet die photodynamische Therapie mit Metvix und Aktilite eine präzise Zerstörung von Kanzerosen und Präkanzerosen, ohne das umgebende gesunde Gewebe zu beeinträchtigen. Im Vergleich zu herkömmlichen Methoden, wie der Kryochirurgie oder lokalen Laseranwendung, ermöglicht das neue Verfahren ein deutlich gezielteres Vorgehen und bessere kosmetische Resultate.
Nach fachgerechter Vorbereitung der Tumoren durch Ablösen von Krusten und Knoten durch Kürettage oder Salicylsäure-haltige Salben wird Metvix-Creme aufgetragen; man lässt sie unter einer Okklusionsfolie drei Stunden einwirken. Danach erfolgt mit einer UV-Lampe (Schwarzlicht) die Fluoreszenzdiagnostik. Tumorgewebe leuchtet rot auf und kann nun markiert werden. Die anschließende Beleuchtung mit der Aktilite-Lampe zerstört die farbstoffbeladenen Tumorzellen. Die Lichteinwirkung dauert rund 15 Minuten. Nach der photodynamischen Therapie sollte die behandelte Haut 24 Stunden vor Licht und Sonne geschützt werden. Um den bestmöglichen Therapieerfolg zu erzielen, muss die Behandlung im Abstand von sieben Tagen wiederholt werden. Siegfried Hoc

Einführungs-Pressekonferenz „PDT mit Metvix® & Aktilite® : Präzisions-Therapie bei Aktinischer Keratose & Basalzellkarzinom“ der Firma Galderma Laboratorium GmbH in München
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