ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Unternehmensanleihen: Höhere Renditen als beim Staat

VARIA: Wirtschaft

Unternehmensanleihen: Höhere Renditen als beim Staat

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-939

Jobst, Peter

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LNSLNS Niemand rechnet damit, dass die Deutsche Telekom eines Tages
den Weg des amerikanischen Kommunikationsgiganten
WorldCom gehen könnte. Dennoch sind die Anleihen des früheren
Staatsunternehmens derzeit wenig beliebt.

Staatsanleihen gelten als sicher. Da kaum anzunehmen ist, dass beispielsweise Deutschland oder Frankreich ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, sind Schuldverschreibungen der Notenbanken bei Investoren begehrt. Doch die Sicherheit hat ihren Preis, Staatsanleihen bringen besonders niedrige Renditen. Weniger als vier Prozent lassen sich derzeit mit fünfjährigen Bundeswertpapieren erzielen. Selbst bei 30 Jahren Anlagedauer liegt die Rendite trotz der damit verbundenen Zinsänderungsrisiken nur bei 4,8 Prozent.
Vorteile für alle Beteiligten
Doch der Markt besteht nicht nur aus Bundesanleihen. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die Schuldverschreibungen von Sparkassen und Banken, die in beachtlicher Vielfalt an der deutschen Börse sowie im Direkthandel angeboten werden. Hier liegt die Rendite im Durchschnitt 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte über den Konditionen der Staatspapiere, wobei die Risiken angesichts der weltweit angesehenen Bonität der deutschen Kreditwirtschaft und der Sicherungssysteme als eher gering einzustufen sind.
Stark an Bedeutung gewonnen haben daneben Unternehmensanleihen, die mittlerweile von nahezu allen namhaften Aktiengesellschaften ausgegeben werden. Vorteile bieten die Emissionen für alle Beteiligten: Das Unternehmen kann sich meist kostengünstiger refinanzieren als über einen Bankkredit. Das emissionsbegleitende Institut erzielt Erträge, ohne hierfür seine Kreditspielräume strapazieren zu müssen. Der Anleger erhält einen marktgerechten, in den meisten Fällen attraktiven Zinssatz.
Allerdings gibt es große Unterschiede, was die Renditen der Unternehmensanleihen betrifft. So liegt die Rendite bei BASF, Bayer oder auch Siemens nur wenige Zehntelprozentpunkte über der Messlatte der Staatspapiere. Je größer jedoch das – vermeintliche – Risiko, umso höher die Renditeaufschläge, die vom Markt bewilligt werden. Die Anleihen von DaimlerChrysler oder Volkswagen bringen ein Ertragsplus von rund 0,9 Prozentpunkten, ThyssenKrupp-Papiere werden mit 1,5 bis zwei Prozentpunkten Zuschlag gehandelt.
Die höchsten Renditen lassen sich derzeit jedoch mit Anleihen der Telekommunikationskonzerne erzielen. Mehr als drei Prozentpunkte Renditeaufschlag muss beispielsweise die Deutsche Telekom ihren Investoren bezahlen, damit sie weiterhin investiert bleiben. In der Spitze lag der „Spread“ – so die Renditedifferenz im Branchenjargon – sogar bei mehr als 3,5 Prozentpunkten. Dies rechnet sich für Anleger: Die vierjährige Anleihe der Deutschen Telekom mit 6,375 Prozent Nominalzinssatz (WKN: 695 450) bringt aktuell mehr als 4,9 Prozent Jahresrendite. Wer sein Geld sogar knapp zehn Jahre entbehren kann, erzielt mit der 8,125-prozentigen Anleihe (WKN: 858 191) der Deutschen Telekom einen Jahresertrag von 6,3 Prozent. Doch nicht nur im Inland werden entsprechende Papiere mit hohen Renditezuschlägen bedacht. Anleihen von Telecom Italia bringen derzeit durchschnittlich 5,6 Prozent, Papiere von France Télécom werden sogar mit bis zu 6,7 Prozent Rendite gehandelt.
Der Grund für diese hohen und gerade in Niedrigzinsphasen attraktiven Margen liegt in den Unsicherheiten, die die Branche überschatten. Eine enorme Verschuldung infolge der ungezügelten Bietgefechte bei der Vergabe der UMTS-Lizenzen und die schrumpfenden Margen durch den zunehmenden Wettbewerb haben die Unternehmen unter Druck gesetzt. Dennoch erscheinen die massiven Rückstufungen der Bewertungen durch die internationalen Rating-Agenturen übertrieben. Handelt es sich bei den meisten europäischen Konzernen doch um halbstaatliche Unternehmen, deren Pleiten unwahrscheinlich sind.
„Zuckerl“ für die Anleger
Zudem haben auch die Telekomunternehmen ein „Zuckerl“ für Anleger parat: Zahlreiche Emissionen sehen einen „Step-up-Coupon“ vor. Die Nominalverzinsung steigt automatisch, wenn sich das Rating verschlechtert. Damit sollte der Anleger vor bonitätsbedingten Kursverlusten weitgehend verschont bleiben. Die Papiere gelten in diesem Fall allerdings als „Finanzinnovationen“. Demnach sind Kursgewinne auch dann voll steuerpflichtig, wenn der Anleger die zwölfmonatige Spekulationsfrist eingehalten hat. Im Gegenzug können allerdings auch eventuelle Verluste steuerlich geltend gemacht werden. Peter Jobst
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