ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2003Deutsche Börse: Neue Indexwelt

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Deutsche Börse: Neue Indexwelt

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-942

Löwe, Armin

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Foto: ddp
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Unterhalb des DAX gibt es jetzt zwei Indizes: den MDAX und den TECDAX.

Am 24. März 2003, rund drei Jahre nachdem der Neue Markt sein historisches Hoch erlebt hatte, wurde der einstige Hoffnungsträger der Deutsche Börse AG zu Grabe getragen. Der Index des Neuen Marktes, der NEMAX 50, wird zwar noch weiter berechnet – um den Fonds und Zertifikaten, die sich an ihm orientierten, einen gleitenden Übergang zu ermöglichen –, aber der Neue Markt gehört der Vergangenheit an. Bereits seit dem 1. Januar 2003 ist der Kurszettel in zwei Börsensegmente aufgeteilt, den „Prime Standard“ und den „General Standard“.
Zugehörigkeit zum Index als Qualitätsmerkmal
Unverändert ist nur der DAX geblieben, der nach wie vor 30 Werte umfasst und als Index der Standardwerte oder Blue Chips gilt. Die 30 nach Börsenkapitalisierung und Börsenumsätzen bedeutendsten Unternehmen bilden den DAX. Unterhalb des DAX gibt es jetzt zwei Indizes, den MDAX und den TECDAX. Dem MDAX, der von 70 auf 50 Titel reduziert wurde, gehören die Unternehmen an, die den traditionellen Branchen zuzurechnen sind und in der Größenordnung dem DAX folgen. Zum TECDAX gehören die Technologietitel (30), die früher am Neuen Markt ihre Heimat hatten.
Unter diesen beiden Indizes gibt es wie bislang schon den S-DAX, der die kleinen Titel enthalten soll, die sich für die übergeordneten Indizes nicht qualifizieren konnten. Er umfasst 50 Werte. Die neue Indexwelt DAX, MDAX, TECDAX und S-DAX wird also 160 Titel umfassen. Aufgenommen werden können in die Indizes nur Unternehmen, die im Segment Prime Standard notiert werden.
Die Zugehörigkeit zu einem der Indizes signalisiert dem Anleger, dass es sich um Titel handelt, die ein bestimmtes Qualitätsmerkmal aufweisen. Denn sie müssen im Prime Standard notiert werden und dazu müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die Unternehmen des Prime Standard müssen zum Beispiel Quartalsberichte veröffentlichen. Dies bringt es mit sich, dass ein Titel wie Porsche in keinem Index vertreten ist, obwohl der Luxuswagenhersteller nach Börsenkapitalisierung und Börsenumsätzen zum DAX gehören könnte. Aber der Autobauer weigert sich beharrlich, Vierteljahreszahlen zu veröffentlichen.
Die Unternehmen, die zum Prime Standard gehören, müssen zudem ihre Zahlen auf der Basis der internationalen Bilanzierungsstandards IAS oder den amerikanischen GAAP-Grundsätzen ermitteln und alle Firmenmeldungen in englischer Sprache veröffentlichen. Zudem verpflichten sich die Unternehmen, sich regelmäßig auf Analystenkonferenzen zu präsentieren. Dies sind Standards, die bereits für den Neuen Markt galten. Die Bilanzskandale und Pleiten zeigen, dass solche Standards keine Garantien sind. Gegen kriminelle Machenschaften (erfundene Umsätze) schützen keine Vorschriften. Unternehmen, die dem General Standard angehören, müssen den Gewinn nur einmal im Jahr veröffentlichen. Auch Analystenkonferenzen sind nicht zwingend vorgeschrieben.
Eine wichtige Neuerung betrifft den MDAX, den Index für mittelgroße Firmen. Künftig gehören diesem Index auch ausländische Firmen an. Unternehmen, die ihren juristischen Sitz im Ausland haben, aber ihre Geschäfte hauptsächlich in Deutschland machen, können in den MDAX aufgenommen werden. Zu dieser Kategorie gehören EADS, Depfa Bank, Thiel Logistik und Teleplan.
Ausreichend Zeit
Völlig neu zusammengestellt wurde der TECDAX, der anders als sein Vorgänger, der NEMAX 50, ausschließlich aus Technologietiteln besteht. Größter Titel im TECDAX ist T-Online. Berechnet wird der NEMAX 50 noch bis Ende 2004. Damit haben Manager von Fonds, die sich am NEMAX 50 orientieren, und die Emittenten von Derivaten (Optionsscheine, Zertifikate) genügend Zeit, die Portefeuilles umzuschichten.
Die Neuordnung des Marktes ist positiv. Zu Recht gingen die Verantwortlichen der Deutschen Börse davon aus, dass der Name Neuer Markt immer durch die hohen Verluste der letzten drei Jahre, die zu einer Kapitalvernichtung von rund 90 Prozent führten, belastet sein wird.
Armin Löwe
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