BÜCHER

Überleben am Abgrund

PP 2, Ausgabe April 2003, Seite 146

Ottomeyer, Klaus; Peltzer, Karl

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Psychotrauma
Plädoyer für Menschenrechte
Klaus Ottomeyer, Karl Peltzer (Hrsg.): Überleben am Abgrund. Psychotrauma und Menschenrechte. Drava Verlag, A-9020 Klagenfurt/Celovec, 2002, 368 Seiten, broschiert, 29,50 €
Menschen, die ein schweres psychisches Trauma erlitten haben, sei es durch Naturkatastrophen, Folter, Kriegserlebnisse, Terror, als Flüchtlinge, politisch Verfolgte oder aufgrund familiärer Gewalt und sexuellem Missbrauch oder, weil sie als Helfer grauenvollen Szenen ausgesetzt waren, wirken oft eigentümlich verändert, verstört, manchmal auch verrückt. Trauma ist immer die Zerstörung des Urvertrauens, und es gibt für die Seele eine Grenze des Erträglichen.
Dass es spezielle Krankheitsbilder gibt, die Traumafolgen sind, ist erst seit 20 Jahren international anerkannt. In dem Buch beschreiben die österreichischen Autoren ein breites Spektrum an Fallbeispielen einfühlsam und klar und erläutern die entsprechenden Therapien (psychoanalytische und psychodramatische Traumatherapie, Debriefing, Defusing, EMDR, traditionelle Heilrituale . . .). Aber – und das ist das Besondere dieses Buches – mit Kritik am „Traumaboom“, am „peinlichen Versuch zur Patentierung von therapeutischen Techniken“ wird ebenso wenig gespart wie an der differenzierten Beschreibung der besonderen Belastung der Therapeuten. Traumaarbeit wird nicht nur individuumzentriert, sondern auch gesellschaftlich/ politisch verstanden, und so erhält man Informationen über „Lügen in Zeiten des Friedens“ und den „Staat als Kühlsystem“.
„Überleben am Abgrund“ ist gleichzeitig ein trauriges und tröstliches Fachbuch, es ist ein Plädoyer für die Menschenrechte, die ein zartes Pflänzchen sind, oft genug mit Füßen getreten. Ulrike Fangauf
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