ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2003Ethische Fragen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

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Ethische Fragen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

PP 2, Ausgabe April 2003, Seite 146

Reiner Frank

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LNSLNS Ethik in der Psychiatrie
Eigene Positionen hinterfragen
Reiner Frank (Hrsg.): Ethische Fragen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Pharmakotherapie, Psychotherapie. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 2002, 120 Seiten, kartoniert, 32 €
Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie führt ein merkwürdiges Doppelleben: Auf der einen Seite werden sie selten thematisiert, und die Bedeutung für die therapeutische Praxis wird offensichtlich als nicht allzu hoch bewertet. Auf der anderen Seite werden ethisch bedeutsame Fragen in der kinder-psychiatrischen Arbeit täglich aufs Neue entschieden – bei mehr oder weniger bewusster Wahrnehmung der ethischen Problematik. Welches Familienmitglied gibt zu welchen therapeutischen Maßnahmen seine Zustimmung? Was ist das Anliegen der Mutter? Hat das Kind seine Zustimmung zu therapeutischen Maßnahmen gegeben? Werden die Geschwister nach ihrer Zustimmung gefragt?
Dies sind die „einfachen“ ethischen Fragestellungen. Richtig schwierig wird es, wenn der Therapeut die Entscheidung treffen muss, ob er einer Behandlung gegen den Willen des Kindes zustimmen, sie eventuell sogar empfehlen und ihre Durchführung verantworten will. Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein sind ebenfalls gefordert bei der Indikationsstellung zu einer Pharmakotherapie angesichts der Tatsache, dass das Wissen über unerwünschte Wirkungen im Kindesalter noch sehr begrenzt ist. Andererseits: Darf beispielsweise der Vorteil der neuen atypischen Neuroleptika Jugendlichen vorenthalten werden, nur weil spezielle Studien für diese Altersgruppe noch nicht abgeschlossen sind, seine Anwendung vor der Zulassung also lediglich als „Heilversuch“ möglich ist?
Solchen Fragen Raum zu geben und namhafte Vertreter des Faches einzuladen, die rechtlichen Aspekte und ethischen Entscheidungen kritisch zu erörtern, ist das große Verdienst dieses kleinen Sammelbandes.
Es bietet viele Anregungen und Hinweise, blinde Flecken zu entdecken, eigene Positionen kritisch zu hinterfragen und vor allem Routineabläufe auf die grundlegenden vier Prinzipien zu überprüfen: das Nil nocere, die Wahrung der Autonomie, die Forderung nach Fürsorge sowie der Gleichheitsgrundsatz. Wilhelm Rotthaus
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