ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2003Grenzverletzungen: Gegenseitige Abhängigkeit

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Grenzverletzungen: Gegenseitige Abhängigkeit

PP 2, Ausgabe April 2003, Seite 171

Lellau, Jochen

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LNSLNS Einige der in diesem Beitrag formulierten Äußerungen dürfen nicht unkommentiert bleiben: Der Autor beschreibt ein nach seiner Ansicht in der analytischen Psychotherapie dominierendes Therapeut-Patient-Verhältnis, das von Einseitigkeit zulasten des Patienten gekennzeichnet sei und von ihm eine „Hingabe“ an den Therapeuten fordere, die zwangsläufig zu einer prekären Form von Abhängigkeit führe. Tatsächlich findet in einer regelrecht durchgeführten analytischen Psychotherapie ein Untersuchungsprozess statt, zu dem sich Therapeut und Patient gemeinsam verabredet haben, um bestimmte typische Verwicklungen, in die der Patient regelmäßig mit sich und seiner Umwelt gerät, aufzuspüren und zu verstehen. Hier ist die reflektierende Neugier und Aufmerksamkeit des Patienten ebenso wichtig und unabdingbar, wie das abstinente Interesse des Therapeuten. Jeder von beiden ist vom anderen abhängig und kommt ohne die Anwesenheit beziehungsweise die Beiträge des anderen nicht weiter. „Übertragung“ ist ein allgemeinpsychologisch bekannter Vorgang, der vom Therapeuten – regelrechtes Vorgehen vorausgesetzt – genutzt wird, um typische Konflikte des Patienten anhand des aktuellen Geschehens innerhalb der Therapiesitzung zu veranschaulichen und mit dem Patienten unmittelbar besprechen zu können. Psychoanalyse zeichnet sich vom Beginn ihrer Theorieentwicklung an gerade durch die Einsicht aus, dass ein „Nachtrag . . . (an) Liebesmängeln der Kindheit“ durch Psychotherapie nicht geleistet werden kann, sondern im Gegenteil bisher vom Patienten – aufgrund neurotischer Hemmung – verweigerte Trauer im analytisch-therapeutischen Geschehen nachvollzogen werden muss.
Dipl.-Psych. Jochen Lellau, Schellingstraße 37, 22089 Hamburg
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