ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2003Richtlinien: Dilemma unerwähnt

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Richtlinien: Dilemma unerwähnt

PP 2, Ausgabe April 2003, Seite 172

Heinzel, Roland

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LNSLNS . . . Leider haben wir es bei der Psychotherapie eben nicht nur mit abstrakten „Verfahren“ zu tun, sondern auch weiterhin mit Menschen, die diese Verfahren anwenden. Deshalb muss man, wenn man sich genauer mit den Problemen der Generalisierbarkeit von Untersuchungsergebnissen be-fasst, erkennen, dass diese umso problematischer wird, je „kontrollierter“ und „wissenschaftlich exakter“ eine Studie ist. Schon die Etablierung einer nicht behandelten Kontrollgruppe zu einer Langzeitpsychotherapie ist z. B. eine kaum lösbare Aufgabe. Wie ich selbst bei einer Evaluationsstudie, die ich als „Praktiker“ durchgeführt habe, feststellen musste, ist die Praxis eben nicht so gut quantitativ erfassbar, wie sich das Forscherherz in Institut oder Klinik das so wünschen würde. Die Realität ist „verwaschen“ und „vermengt“ – viele Variablen (wie z. B. die berühmte „Therapeutenvariable“) sind großenteils miteinander korreliert.
Im Klartext: Jede Verbesserung der Genauigkeit, also der internen Validität, geht letztlich fast immer auch auf Kosten der externen Validität, also der Aussagekraft für die Praxis. Dieses Dilemma scheint dem Schreiber des Leserbriefes nicht bewusst zu sein; zumindest erwähnt er es nicht. Stattdessen entwertet er die „Praxiserfahrungen“ und erweckt gleichzeitig den Eindruck, als wären „kontrollierte“ Studien der Weisheit letzter Schluss. Vielmehr bräuchten wir für die Zukunft abgestufte, auch für Praktiker anwendbare Forschungs- und Evaluationsprogramme – und eine Zusammenarbeit ohne gegenseitige Entwertungen.
Dr. med. Dipl.-Psych. Roland Heinzel, Reitergässle 15,
78256 Steißlingen
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