ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2003Hepatotoxizität durch Kava-Kava: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Hepatotoxizität durch Kava-Kava: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(15): A-1008

Teschke, Rolf

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Für ihre Anmerkungen sei Loew und Müller-Oerlinghausen gedankt. Sie diskutieren die Frage der therapeutischen Effizienz einer Kava-Therapie, auf die ich mit acht Worten und drei Literaturstellen in der Einleitung meines Artikels nur kurz eingegangen bin. Müller-Oerlinghausen möge mir die Kürze meines Hinweises nachsehen, den ich zwar für wichtig aber nicht unbedingt zum Thema meiner Arbeit gehörend angesehen habe. Trotz allem ist die von mir gemachte Aussage zur Effektivität einer Kava-Therapie durch die angegebene Literatur einwandfrei und wissenschaftlich fundiert belegt. Wenn Müller-Oerlinghausen hier nun von einer „Schieflage“ spricht, so ist dies im Hinblick auf die von mir angeführten Arbeiten ausgewiesener Experten auf diesem Gebiet sicher nicht nachvollziehbar. Wohl mag dieser Ausdruck auf die eigene Argumentation zutreffen, die global, wenig differenziert und auch nicht durch entsprechende Literatur belegt ist. Seinen Ausführungen ist auch nicht zu entnehmen, welche der zahlreich durchgeführten und publizierten Studien er im Einzelnen kritisieren möchte. Die Kritik insgesamt ist auch deshalb ungewöhnlich, weil Kava-Kava-Extrakte nach EBM-Prüfung in den Hauptteil des Entwurfs der Positivliste aufgenommen wurden und dies auch Müller-Oerlinghausen bekannt sein müsste.
Bei der Frage der therapeutischen Effizienz hat Loew seine Pro-Argumente mit entsprechenden weiterführenden Literaturhinweisen belegt, wie ich dies auch in meinem Artikel gemacht habe. Ausdrücklich hingewiesen sei auch auf die von mir zitierte Arbeit von Ernst (1) aus England in der renommierten Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine. In diesem Artikel bezieht sich Ernst auf die zusammen mit seinem Mitarbeiter Pittler (2) veröffentlichte ausführliche Metaanalyse zur Effektivität einer Kava-Behandlung bei Angststörungen. Pittler und Ernst (2) haben in ihre Metaanalyse Doppelblindstudien eingeschlossen, die randomisiert und placebokontrolliert durchgeführt worden waren. Eine Überlegenheit von Kava-Extrakten gegenüber Placebo fand sich in allen sieben ausgewerteten Studien. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Kava-Extrakte gegenüber Placebo als symptomatische Behandlung von Angststörungen überlegen sind. Ernst (1) erwähnt auch, dass bei der Frage der Effektivität von Kava im Vergleich zu Oxazepam beide Medikamente ähnlich effektive Anxiolytika sind. Insgesamt kann die exzellente Arbeit von Ernst (1) sowie Pittler und E. Ernst (2) zur Frage der Effektivität einer Kava-Therapie zur umfassenden Information wärmstens empfohlen werden, da hier eine kritische Auseinandersetzung mit dieser wichtigen Frage erfolgt.
Dankenswerterweise befassen sich Loew und Müller-Oerlinghausen auch mit der internationalen Resonanz auf die vermutete Leberschädigung durch Kava. Müller-Oerlinghausen weist darauf hin, dass Kava-Präparate in Frankreich vom Markt genommen worden seien und in England eine gleiche Maßnahme erwogen werde. Die englische Gesundheitsbehörde MCA steht der vom BfArM vorgetragenen Kausalität jedoch sehr reserviert gegenüber, da viele Fälle nicht ausreichend dokumentiert seien. In der Tabelle 1 meiner Arbeit ist die Kausalitätsbeurteilung der MCA detailliert dargelegt. Daher ist fraglich, ob eine Marktrücknahme in England überhaupt erfolgen wird. Auch die europäische Gesundheitsbehörde EMEA hat ähnliche Bedenken wie die MCA, obwohl Deutschland mit dem BfArM selbst Mitglied der EMEA ist. Die von Loew vorgetragene internationale Kritik einschließlich der FDA (USA) an dem Vorgehen und der Beurteilung des BfArM weist nochmals auf die unterschiedlichen Standpunkte hin.
Die Sorge von D. Loew betreffend der offensichtlich nicht ganz harmonischen Zusammenarbeit zwischen BfArM und den Mitgliedern der Kommission
E beim BfArM ist gut nachvollziehbar. Die Mitglieder sind hochrangige Wissenschaftler, die ihre fachliche Kompetenz beim BfArM einzubringen bereit sind. Das BfArM wäre daher gut beraten, die Ratschläge der Mitglieder zu diskutieren und einvernehmlich in die Praxis umzusetzen. Auch Müller-Oerlinghausen könnte als Vorsitzendem der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft hier eine ausgleichende Funktion zukommen und sein Gewicht im
Interesse der Ärzteschaft und der Patienten einbringen. Mit Müller-
Oerlinghausen besteht Einigkeit in der Beurteilung, dass schwere hepatotoxische Reaktionen durch Kava wohl selten sind. Im allgemeinen Interesse aber läge es, wenn nun endlich weitere Einzeldaten in anonymisierter Weise den internationalen Gesundheitsbehörden und den interessierten Wissenschaftlern, die bereits vor langer Zeit vergeblich angefragt haben, ohne Einschränkungen zur Verfügung gestellt würden, damit eine endgültige Kausalitätsbeurteilung erfolgen kann. Das BfArM und die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft stehen in der Pflicht und sollten um Schadensbegrenzung bemüht sein.

Literatur
1. Ernst E: The risk-benefit profile of commonly used herbal therapies: Ginkgo, St. John’s Wort, Ginseng, Echinacea, Saw Palmetto, and Kava. Ann Intern Med 2002; 136: 42–53.
2. Pittler MH, Ernst E: Efficacy of kava extract for treating anxiety: systematic review and meta-analysis. J Clin Psychopharmacol 2000; 20: 84–89.

Prof. Dr. med. Rolf Teschke
Medizinische Klinik II
Klinikum Stadt Hanau
Leimenstraße 20
63450 Hanau

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige