ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2003zu Fondsschließungen: Die Fixkostenfalle

VARIA: Schlusspunkt

zu Fondsschließungen: Die Fixkostenfalle

Dtsch Arztebl 2003; 100(15): [68]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es rumort in der deutschen Fondsbranche. Die goldenen Zeiten, wo jeder neue Investmentfonds den Gesellschaften aus den Händen gerissen wurde, sind längst der langjährigen Baisse zum Opfer gefallen.
Nun macht den Initiatoren aber ein weitaus schwerwiegenderes Phänomen große Sorgen. Immer mehr Fonds schließen. Waren es im Zeitraum März 2001 bis März 2002 „nur“ 67 Publikumsfonds, die beerdigt wurden, so hat sich deren Zahl im Vergleichszeitraum der letzten zwölf Monate verdreifacht. Ganze 216 Investmentfonds gingen den Weg alles Irdischen, was in der Praxis bedeutet, dass den Anlegern vorgeschlagen wird, ihre Anteile in einen anderen Fonds zu tauschen oder eben den anteiligen Wert cash zu erhalten.
Was ficht es mich an, wenn ein Fonds den Laden dichtmacht? Diese mögliche Einlassung Ihrerseits mag zwar verständlich sein, ist jedoch zu kurz gesprungen, vermutlich. Wehklagen kann durchaus angebracht sein. Es kann nämlich ohne weiteres sein, dass Sie demnächst zum ebenfalls betroffenen Personenkreis gehören, dessen Fonds liquidiert wird.
Die entscheidende Hürde ist das verwaltete Vermögen eines Investmentfonds. Die kritische Grenze liegt nach interner Einschätzung bei etwa zehn Millionen Euro, unter die ein Fonds aus Kostengründen einfach nicht fallen darf. Eben diese Hürde haben aktuell 562 aller in Deutschland zugelassenen Investmentfonds bereits unterquert. Das sind fast 18 Prozent aller am Markt angebotenen Produkte. Eine bedenkenswerte Quote.
Wer mal eben in seinen letzten Depotauszug schaut und dort mindestens zehn Fonds findet, kann sicher sein, dass im einen oder anderen Fall bereits das Damoklesschwert in seinem Portfolio steckt.
Nun wäre es sicher genau das Falsche, wie eine Maus vor der Katze zu verharren und still abzuwarten, bis das Fallbeil der Fondsschließung fällt. Aktive Vorbeugung spart hier viel Geld. Wer einen Fonds mit schließungsgefährdetem Volumen im Depot hat, sitzt in einer ziemlichen Fixkostenfalle, der es zu entgehen gilt. Jede Fondsgesellschaft hat unabhängig vom Vermögen des Fonds einen jährlichen festen Kostenblock für Wirtschaftsprüfung, Bilanzerstellung, Zulassungsgebühren, Druckkosten etc. zu schultern, der bei „gefährdeten“ Fonds durchaus mehrere Prozent des Gesamtvermögens ausmachen kann.
Für meinen Geschmack bedürfen also Fonds bis zu einem Volumen von 25 Millionen Euro einer genauen Prüfung, ob die Fixkosten nicht zu hoch sind. Im Zweifel hilft eine rechtzeitige Rückgabe der Anteile, um wenigstens für die Zukunft hohe Renditeeinbußen zu vermeiden. Das setzt aber auch den Mut voraus, jetzt den Schnitt zu wagen. Der bereits erlittene „Schaden“ wäre dann halt unter Lebenserfahrung abzubuchen.
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