ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2003Kinder spielen Krieg – wir sind Erwachsene: Politische Aphorismen

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Kinder spielen Krieg – wir sind Erwachsene: Politische Aphorismen

Dtsch Arztebl 2003; 100(15): [68]

Juds, Bernd

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Ein 15-jähriger Kosovo-Flüchtling malte den Kriegshorror. Foto: dpa
Ein 15-jähriger Kosovo-Flüchtling malte den Kriegshorror. Foto: dpa
Die Nation kam vom Geschichtschirurgen – man sah es ihr an.

Kinder spielen Krieg.
Wir sind Erwachsene.

Als Kinder spielten wir Krieg.
Jetzt sind wir erwachsen geworden
(sagte der Verteidigungsminister).

Die Moral von der Geschicht’
ist die Unmoral der Geschichte.

Kinder spielen Krieg.
Den Erwachsenen
sollte man ihn verbieten.

Türkische Erdnüsse (und Tees aus
Ostasien) im Magen – und diese Wut
gegen die Ausländer im Bauch.

Es gibt Staaten, die an der Spitze
des Fortschritts marschieren.
Damals – hört man – seien wir mit dem Schrecken noch einmal davongekommen.
Wo wohnt der Mit-Flüchtling jetzt?
Ich las hoffnungsvoll: Börne heute –
doch da stand:
Börse heute!

Vorsicht:
Gleichschaltung
ist sichtbar.

Viele Staaten bestrafen
ihre Friedenshetzer.

Soldaten fallen –
Generale pflegen nur zu stürzen.

Der Diktator liebt die Tiere –
sie geben kein Widerwort.
Heldendenkmäler?
Ja – aber bitte aus Gebeinen!

Der Krieg ist zu überleben,
sagten die Überlebenden.
Der Krieg ist das Maß aller Dinge – aber: Das Maß ist voll.
Bernd Juds
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