ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2003Hausärzte: Deplatzierte Drohung

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Hausärzte: Deplatzierte Drohung

Dtsch Arztebl 2003; 100(15): A-949 / B-797 / C-745

Maus, Josef

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LNSLNS Zurzeit kämpfen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) um ihr Überleben. Die Regierung will die ärztlichen Körperschaften schwächen und den Einfluss der Krankenkassen stärken. In solchen Zeiten rücken die Betroffenen für gewöhnlich enger zusammen – es sei denn, einzelne Mandatsträger verfolgen Partikularinteressen.
Während die große Mehrheit der Haus- und Fachärzte in den Regionen gut zusammenarbeitet, bläst die so genannte „Hausarztfraktion“ der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zur Attacke. Vertreten durch Dr. med. Wolfgang Hoppenthaller, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der KV Bayerns ist, ließen die Hausärzte in einer gezielten Aktion die „Fach- und Standespresse“ wissen, dass sie die KBV und ihre Gremien für reformunfähig halten. Ändert sich das nicht, werde „die deutsche Hausärzteschaft ihren Weg auch außerhalb der KV suchen und finden“.
Hoppenthaller konkretisiert seine Kritik nicht weiter. Stattdessen teilt er mit, was die Hausärzte wollen: einen Basistarif für ein hausarztzentriertes Versorgungssystem. Facharztbesuche (bis auf Augenärzte und Gynäkologen) sollen nur noch auf Überweisung erfolgen können. Nimmt der Patient dennoch einen Facharzt direkt in Anspruch, soll er entweder eine Praxisgebühr von 25 Euro zahlen oder im Wege der Kostenerstattung 20 Prozent des ärztlichen Honorars tragen. Die freie Arztwahl soll sich nach Meinung der Hausärztevertreter nur noch innerhalb der „ambulanten Versorgungsebenen“ abspielen.
Die KBV hält nichts von Malusregelungen und nichts von der spitzfindigen Unterscheidung nach „Versorgungsebenen“. Noch viel weniger ist von der Drohung zu halten, „einen Weg außerhalb der KVen zu suchen“. Die Hausärzte betreiben damit – gewollt oder auch nur blauäugig – das Geschäft der KV-Stürmer.
Vorstand und Länderausschuss der KBV gaben dazu Ende vergangener Woche ein eindeutiges Votum ab: Sie sind für den Erhalt einer fachübergreifend organisierten KV als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Denn nur so könne ein gleichwertiges Gegengewicht aller Vertragsärzte zu den stärker werdenden Krankenkassen erhalten bleiben. Josef Maus
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