ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2003Lyse nach Schlaganfall: Bessere Resultate in erfahrenen Kliniken

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Lyse nach Schlaganfall: Bessere Resultate in erfahrenen Kliniken

Dtsch Arztebl 2003; 100(15): A-953 / B-801 / C-749

Koch, Klaus

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LNSLNS Die Thrombolyse mit tPA (tissue Plasminogen-Aktivator) nach einem Schlaganfall ist ein Verfahren, das nur für sorgfältig ausgewählte Patienten infrage kommt. Doch Daten der Arbeitsgemeinschaft deutscher Schlaganfallregister belegen jetzt zum ersten Mal, dass für den Ausgang der Behandlung auch die Auswahl der Klinik eine wichtige Rolle spielen könnte. Eine Gruppe um Dr. Peter Heuschmann (Universität Münster) und Dr. Peter Kolominsky-Rabas (Universität Erlangen) beschreibt in einer von der Zeitschrift „Stroke“ vorab im Internet veröffentlichten Arbeit (www.strokeaha.org), dass in Kliniken, die im Jahr 2000 weniger als fünf Schlaganfall-Patienten mit Thrombolyse behandelt haben, der Anteil der Lyse-Patienten, die noch während ihres Kranken­haus­auf­enthalts verstarben, etwa dreifach erhöht war.

Die Thrombolyse ist seit Herbst 2000 unter Auflagen zur Behandlung von ischämischen Hirninfarkten zugelassen, nachdem Studien belegt hatten, dass sie in den ersten drei Stunden nach Symptombeginn die späteren Behinderungen verringern kann. Doch zu den Risiken gehören schwere Hirnblutungen, sodass auch Fachleute über den Wert der Therapie uneins sind. In der Analyse wurden die Meldungen von 104 Kliniken aus Hamburg, Hessen, Westfalen-Lippe und Bayern ausgewertet. Insgesamt wurden die Daten von 13 440 Patienten nach Hirninfarkt dokumentiert, davon hatten drei Prozent (384) eine Thrombolyse erhalten. Um die Behandlungsergebnisse vergleichen zu können, haben die Autoren für jeden mit tPA behandelten Patienten einen möglichst ähnlichen – allerdings nicht mit tPA therapierten – Kontrollpatienten derselben Klinik ausgewählt. Dabei zeigte sich, dass etwa zwölf Prozent der mit Lyse behandelten Patienten gestorben sind, aber nur etwa sieben Prozent der Vergleichspatienten. Daraufhin analysierten die Forscher getrennt die Daten der 28 Kliniken, die maximal fünf Patienten behandelt hatten: Bei diesen lag die Sterblichkeit sogar bei 24 Prozent. Hingegen lag sie bei den 24 Kliniken, die mehr als fünf Patienten (maximal 32) lysiert hatten, nur bei neun Prozent.

Eine Schwäche der Studie ist, dass sich die Patientengruppen eventuell doch durch unerkannte Faktoren unterscheiden. Zudem fehlt eine Langzeitbeobachtung der Patienten. Aus diesen Gründen fällt die Schlussfolgerung der Autoren zurückhaltend aus: „Unsere Ergebnisse liefern Indizien, dass die Thrombolyse bei ischämischen Schlaganfällen vor allem von erfahrenen Kliniken praktiziert werden sollte.“
Klaus Koch
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