ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2003Krankenhaus: Bedingungen stellen
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LNSLNS . . . Eine aktuelle Erhebung am Kantonspital Basel hat gezeigt, dass allenfalls 30 % der Arbeitszeit eines Arztes tatsächlich medizinischer Versorgung zugeordnet werden können. In der jetzt anstehenden Umstellungsphase auf das DRG-System wird sich dies möglicherweise noch dramatisch verengen. Dennoch: Seit vielen Jahren, zum Teil über zehn Jahre hinaus, werden von anderen Kollegen, z. B. den Geburtshelfern (Perinatalerhebung) und den chirurgischen Fächern, fortlaufend Qualitätssicherungsprojekte für einzelne Krankheitsbilder (TEP, PTA, u. a.) von der Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen (GQH) als vorgegebene Qualitätssicherungsmaßnahme durchgeführt.
Für die Akutversorgung des Schlaganfalles sind unter Nutzung externer und ausländischer Arbeiten 1995 Schritte zur Ausbildung und Strukturierung eines Erhebungsinstrumentes für die externe Qualitätssicherung für die Akutphase des Schlaganfalles entwickelt worden, seit 1999 besteht eine Vollerfassung für die beteiligten Stroke Units (hessisches Modellprojekt). Die freiwillige Teilnahme von Kliniken, unabhängig von der Fachspezialität, an diesem Projekt war von Anfang an möglich und gegeben. Die Erkenntnisse aus diesem sehr umfassenden Erhebungsinstrument sind verdichtet worden. Nach ausführlicher Beratung im Lenkungsausschuss (paritätisch besetzt durch die Kostenträger und die Krankenhausträger) ist der Erhebungsbogen ab 1. Januar 2003 verpflichtend flächendeckend für das Bundesland Hessen als Qualitätssicherungsinstrument im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben eingeführt worden. Die in der Akutversorgung von Schlaganfällen eingebundenen Kliniken, die bisher für dieses häufige Krankheitsbild keinerlei Qualitätssicherung durchführen mussten, werden jetzt mit einem Minimal-Data-Set, wie es auch international für die Erfassung von Schlaganfällen üblich ist, zweifelsohne mit Mehrarbeit belastet. Die Sanktionierungsmaßnahmen, die beklagt werden, treffen alle Krankheitsbilder, die in das Qualitätssicherungssystem eingebunden sind, nicht nur den Schlaganfall. Den Entscheidungsgremien ist das Dilemma zwischen Anforderungsprofil und den engen Ressourcen, insbesondere im Arztbereich, sehr wohl bewusst, dennoch ist es nicht vermeidbar, dass Ärzte in die aktive Gestaltung und Weiterentwicklung zu qualifizierten und zumutbaren Qualitätsinstrumenten ihre Expertise zur Verfügung stellen.
Das Gewissen des Arztes als Qualitätssicherungsinstrument wird allenfalls vom Patienten akzeptiert, im aktuellen Gesundheitssystem hat es an Gewicht verloren. Wenn die Ärzte zum Wohle ihrer Patienten eine individualisierte Therapie, letztlich die eigentliche ärztliche Leistung, garantieren wollen, müssen sie sich in der Darstellung der dazu erforderlichen Bedingungen auf allen Gebieten den gesellschaftlichen Anforderungen stellen . . .
Prof. Dr. med. R. W. C. Janzen, Neurologische Klinik am Krankenhaus Nordwest, Steinbacher Hohl 2–26, 60488 Frankfurt/Main
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