ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2003Krankenhaus: Sachdiskussion nötig
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LNSLNS . . . Als im Projekt Beteiligte können wir die hier zum Ausdruck kommende Sorge verstehen, müssen aber doch einiges zurechtrücken. Richtig ist, dass die hessenweit vollständige statistische Erfassung wesentlicher Krankheits- und Behandlungsparameter beim Schlaganfall eine erhebliche Anstrengung bedeutet und dass es kaum möglich erscheint, im Krankenhaus für jedes relevante Krankheitsbild eine ähnlich umfangreiche Erhebung durchzuführen. Richtig ist auch, dass trotz Belastung der Ärzte ein wesentlicher Anteil der Arbeit von ihnen geleistet werden muss. Unrichtig ist die Annahme, die „verantwortlichen Experten“ hätten keine Patienten zu betreuen. Das Projekt Schlaganfall der GQH wurde von Ärzten gestaltet, die selbst Patienten versorgen und sehr wohl die Nöte der Klinikärzte kennen. Es handelt sich auch nicht um Datenmüll. Die Daten, die jeder teilnehmenden Klinik zur Verfügung stehen, wurden und werden intensiv ausgewertet und sind schon mehrfach veröffentlicht worden. Jedem Interessierten, der den Aufwand nicht scheut, steht Mitarbeit offen. Warum dieser angeblich monströse Kraftakt? Es hat sich gezeigt, dass die Erhebung dieser Daten, beschränkt auf einzelne Kompetenzzentren, keinen Rückschluss auf die gesamte Behandlungskette und die Qualität der Versorgung zulässt. Die Ausweitung der Erhebung auf alle Krankenhäuser ist somit Vorausset-zung für die Einschätzung der Versorgungsqualität bei Schlaganfall und zur Identifizierung möglicher Defizite. Wir, die behandelnden Ärzte, definieren in diesem Projekt selbst, was wir unter Qualität verstehen, mit dem Ziel, diese Qualität möglichst flächendeckend für die Patienten zur Verfügung zu stellen. Die Krankenhäuser können die Daten aktiv nützen zum Nachweis von Leistung und Qualität, aber auch zum Aufzeigen von strukturellen Defiziten, deren Behebung sie fordern können. Nicht zuletzt bieten die zusammengefassten Ergebnisse die Möglichkeit eines Dialogs mit den Kostenträgern auf dem Hintergrund gesicherter Erhebungen. Es wird auch möglich sein, unser so sehr gescholtenes Gesundheitssystem an einem sehr kritischen Beispiel mit dem anderer Länder zu vergleichen. Auch hier ist es nötig, zur Sachdiskussion zurückzukehren. Ist all dies der Mühe wert? Wir glauben schon.
Prof. Dr. med. von Reutern, Neurologische Klinik Bad Salzhausen, Am Hasensprung 6, 63667 Nidda
Dr. med. Inga Sünkeler, Neurologische Klinik, Hubertusstraße 3–7, 35619 Braunfels
Dr. med. Gerlach, Neurologische Akutklinik Werner Wicker KG, Hardtstraße 31 A, 34596 Bad Zwesten
Björn Misselwitz, Hessische Krankenhausgesellschaft (GQH), Frankfurter Straße 10–14, 65760 Eschborn
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