ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1996Im Winter nach Nizza. . .: Deutsch-Französisches zur Gründerzeit Die „Deutsche Medicinische Wochenschrift“ schreibt am 25. September 1875 unter der Rubrik „Balneologie“

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Im Winter nach Nizza. . .: Deutsch-Französisches zur Gründerzeit Die „Deutsche Medicinische Wochenschrift“ schreibt am 25. September 1875 unter der Rubrik „Balneologie“

O.G.

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LNSLNS "Wir werden aus Paris darauf hingewiesen, dass in dem Verhalten der französischen Mediciner ihren deutschen Collegen gegenüber, wenigstens äusserlich, eine entschiedene Aenderung zum Besseren in der letzten Zeit stattgefunden hat. Wenn wir auch weit davon entfernt sind, darin eine wirkliche Wendung zu erblicken, so wollen wir andererseits die Rückkehr unserer Collegen jenseits der Vogesen zu entsprechenderen Verkehrsformen mit uns immerhin ohne Rückhalt acceptiren. So gingen bekanntlich vor wenigen Jahren, nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges, die Franzosen in ihrem Hass gegen Deutschland soweit, dass selbst wissenschaftliche Gesellschaften und Vereine ihre deutschen Mitglieder ausstiessen, und dadurch gewissermaassen den wissenschaftlichen Verkehr mit uns abbrachen, während wir augenblicklich von einem Akt Kenntniss nehmen dürfen, der von einer Stimmungsänderung in den leitenden Kreisen kunde giebt.
Während es nämlich zur Zeit des Kaiserreichs einem deutschen Arzte leicht wurde, die Erlaubniss zur Ausübung der Praxis auf französischem Boden zu erlangen, und in Folge dessen immer deutsche Aerzte an den klimatischen Kurorten der Rivieira practicirten, ist seit dem Krieg keine neue Niederlassung eines deutschen Arztes in den genannten Orten erfolgt, weil man in Paris die Absolvirung eines Examens vor einer französischen wissenschaftlichen Deputation zur Bedingung machte.
Da sich unter den obwaltenden Umständen selbstverständlich kein deutscher practischer Arzt einem derartigen Examen unterziehen konnte, so zogen die Bewerber ihre Gesuche zurück, während sich die Zahl der Deutschen, die an der Rivieira überwinterten, besonders in den beiden letzten Jahren, beträchtlich steigerte. Wenn sich daher namentlich in Nizza der Mangel an deutschen Aerzten fühlbar machte, so ist es doch bemerkenswerth, dass sich die französische Regierung entschlossen hat, einem Deutschen die Ausübung der Praxis dort bedingungslos zu gestatten und dem Medicinalrath Dr. W. Bode, Badearzt in Nauheim, die Erlaubniss unter Verzicht auf das Examen etc. zu ertheilen.
Wir sehen in dieser Erlaubniss einen Act der Curtoisie gegen Deutschland und freuen uns, dass dieselbe einem Arzt zu Theil geworden ist, der sich durch seine Thätigkeit als Badearzt in Nauheim die Achtung und das Vertrauen der Collegen, sowie des Publikums in so hohem Maasse erworben hat. Dr. Bode wird Mitte October nach Nizza übersiedeln, während des Sommers aber nach wie vor als Badearzt in Nauheim fungiren."
Zu beneiden ist er schon, der Kollege aus Bad Nauheim. Wer würde nicht gern mal im Winter an der Riviera praktizieren? – Aber daraus wird wohl nichts aus vielerlei Gründen, auch nach einem (fast) geeinten Europa. An den Franzosen liegt es jedenfalls nicht mehr. . . Dr. O.G.
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