ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Human-Genom: Entschlüsselung „abgeschlossen“

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Human-Genom: Entschlüsselung „abgeschlossen“

Dtsch Arztebl 2003; 100(16): A-1029 / B-865 / C-809

Koch, Klaus

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LNSLNS Das erste Mal waren die beiden Entwürfe im Februar des Jahres 2001 „fertig“. Damals hatten das mit öffentlichen Fördergeldern finanzierte internationale Humangenom-Konsortium und das US-Unternehmen Celera Genomics nach einem Wettlauf unabhängig voneinander zu etwa „90 Prozent“ vollständige Arbeitsversionen des menschlichen Erbguts vorgestellt. Jetzt sei auch die Entschlüsselung des Rests abgeschlossen, heißt es aus Reihen des öffentlich geförderten Genomprojekts. „Nach dem heutigen Stand der Technik sind wir fertig“, sagt Prof. Helmut Blöcker (Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Braunschweig), der Koordinator des Deutschen Humangenomprojektes. Bereits letzten Montag wurde ein Teil der Daten in Washington präsentiert – vor allem auf der politischen Bühne: Dort nutzten die Regierungschefs der beteiligten Länder USA, Großbritannien, Frankreich, China, Deutschland und Japan den Anlass, um die Sequenzierung des rund drei Milliarden Bausteine umfassenden Erbguts zu würdigen. Die wissenschaftlichen Schlussfolgerungen sollen erst Ende des Jahres in einer Fachzeitschrift publiziert werden.

Dass die Entschlüsselung des Humangenoms gerade jetzt als abgeschlossen verkündet wird, hat mit einem anderen Jubiläum zu tun: Vor fast genau 50 Jahren haben James Watson und Francis Crick erstmals die Struktur des Erbgut-Fadens beschrieben, die Doppelhelix. Für die Wissenschaftler, die seit Jahren auf die Genomdaten zurückgreifen, ändert sich mit der öffentlichen Bekanntgabe freilich nichts.
Schon kurz nach Beginn des öffentlichen Genomprojekts im Jahre 1990 haben die beteiligten Labors damit begonnen, täglich die entschlüsselten Buchstabenfolgen des Erbguts in eine über das Internet frei zugängliche Datenbank einzuspeisen, aus der sich jeder Forscher kostenlos bedienen kann. Diese Datenbank hat mittlerweile auch der Erbgut-Version des US-Biotechnologie-Unternehmens Celera Genomics den Rang abgelaufen. Das Unternehmen hatte im Jahr 2000 durch seine Konkurrenz das öffentliche Humangenomprojekt gezwungen, deutlich schneller zu arbeiten. Seit der Veröffentlichung der ersten Arbeitsversion seien die Daten „drastisch verbessert“ worden, sagt Blöcker heute. Allerdings bleiben immer noch einzelne Abschnitte des Genoms unentschlüsselt, die mit den bisherigen Methoden nicht zu entziffern sind. Wissenschaftler vermuten in diesen Abschnitten nur wenige Gene. Klaus Koch
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