ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Krankenkassen/Vertragsärzte: Qualität geht über alles

POLITIK

Krankenkassen/Vertragsärzte: Qualität geht über alles

Dtsch Arztebl 2003; 100(16): A-1035 / B-871 / C-815

Schmidt, Klaus

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LNSLNS Hersbrucker Gespräche lassen Brückenschläge erkennen.
Die Qualität der ärztlichen Versorgung wollen die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns und die AOK Bayern künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Krankenkasse ist auch bereit, Qualität über die ärztliche Vergütung zu belohnen.
Wenn er zu entscheiden hätte, erklärte der Vorsitzende der KV Bayerns, Dr. med. Axel Munte, in der Podiumsdiskussion während der diesjährigen Hersbrucker Gespräche der AOK Bayern, dann setze er auf die Qualität als oberstes Ziel der ärztlichen Berufstätigkeit. Qualitätssicherung sollte die wichtigste Aufgabe der KVen werden. In diesem Sinne sollten die Körperschaften auch eine qualitätsgesteuerte Vergütung ärztlicher Leistungen anstreben.
Zum „Basis-Facharzt“ nur gegen Eintritt?
Munte wünscht sich auch, dass die Ärzteschaft die vorhandenen Ressourcen im ambulanten Sektor richtig einsetzt. Dazu zählt er eine Differenzierung zwischen hausärztlicher, basis-fachärztlicher und hoch spezialisierter Versorgung. Den Begriff „Basis-Facharzt“ hat Munte in Hersbruck erstmals in die Diskussion gebracht. Er versteht darunter einen Facharzt, der weder operativ noch interventionell tätig ist und ein Leistungsspektrum erbringt, wie es weitgehend auch ein qualifizierter Hausarzt leistet. Er forderte als Steuerungsinstrument ein „Zugangsgeld“ in Höhe von 20 oder 30 Euro für die direkte Inanspruchnahme eines Basis-Facharztes. Der Zugang zum Hausarzt sollte dagegen frei bleiben; der Zugang zum hoch spezialisierten Facharzt gehe ohnehin dann nur mit einer Überweisung.
Für den Vorstandsvorsitzenden der AOK Bayern, Dr. Helmut Platzer, ist das Zugangsgeld jedoch keine akzep-table Lösung. Er bezweifelt, ob dadurch eine steuernde Wirkung tatsächlich erzielt werden könne. So hätten auch die Zuzahlungen der Patienten bisher keine Steuerungseffekte gezeigt.
Dagegen war er mit dem KV-Vorsitzenden einig in dem Bestreben, der Prävention einen sehr viel höheren Stellenwert als bisher einzuräumen. In diesem Punkt, aber auch generell demonstrierten die Vertreter von SPD und CDU/CSU eine funktionierende „Große Koalition“ der Reformpolitiker: Sowohl Fritz Schösser (SPD) als auch Wolfgang Zöller (CSU), beide Mitglied im Bundestagsausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung, betonten den parteiübergreifenden Konsens bei der Prävention. Sie sollte eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein und daher nicht nur von der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung finanziert werden. Eine Aufteilung des GKV-Leistungskatalogs in Grund- und Wahlleistungen lehnt inzwischen auch die Union ab. Es sei besser, erklärte Zöller, die versicherungsfremden Leistungen auszugliedern, die Prävention stärker zu fördern und für den Fall, dass dies immer noch nicht reiche, auch über einen Selbstbehalt der Versicherten nachzudenken.
Die AOK ist sehr daran interessiert, für ihre Versicherten auch Alternativ-angebote unter den Leistungserbringern neben der „normalen“ Regelversorgung zur freiwilligen Wahl zu stellen. Erst Ende Februar hat die KV Bayerns mit der AOK einen Vertrag über ein DMP Diabetes mellitus Typ 2 abgeschlossen. Die AOK sei darauf vorbereitet, auch für weitere Indikationen DMP-Verträge abzuschließen. Unter der Voraussetzung, dass bis zum Jahr 2007 der morbiditätsorientierte Risiko­struk­tur­aus­gleich umgesetzt wird, geht die AOK davon aus, dass sich dies auch in entsprechend angepassten Vergütungsstrukturen niederschlagen wird. Klaus Schmidt
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