ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Polikliniken: Widerspruch
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LNSLNS Die Verbitterung der Autoren über die ärztlichen Berufsbedingungen in Osteuropa ist verständlich. Die Autoren verkennen jedoch völlig, dass die Qualität ambulanter Medizin nicht primär davon abhängt, ob sie mittels „Selbstverwaltung“ etc. oder steuerfinanziert-staatlich organisiert ist, sondern vielmehr von sozialökonomischen Unterschieden, also von Arm und Reich, von Infrastruktur und allgemeinen Lebensbedingungen etc. bestimmt wird.
Bundesdeutsche Medizin ließe sich also allenfalls z. B. mit Skandinavien vergleichen. Andererseits müssten – der Argumentation der Autoren folgend – alltägliche Lebensrealität und Medizin mit Einführung der Marktwirtschaft in Russland drastisch verbessert worden sein – zumindest für den Großteil der Bevölkerung ist bekanntlich das Gegenteil der Fall. Und Ärzte wie Patienten der DDR-Polikliniken dürften wohl zu großen Teilen auch widersprechen, weil sie so entwürdigend wie beschrieben nicht behandeln bzw. sich behandeln lassen mussten.
Bundesdeutsche Rezepte der Vergangenheit und Gegenwart unkritisch mit armen Ländern zu vergleichen und damit ihre Richtigkeit im Ausland und auch bei uns für alle Zukunft (mit ihren Problemen wie demographische Verschiebung, steigende Arbeitslosigkeit etc.) zu schlussfolgern ist unpassend, kontraproduktiv und in der geschilderten emotional-frustrierten Form peinlich . . .
Dr. Heinrich Günther,
Lönsstraße 12, 01259 Dresden
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