ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940 bis 1945

BÜCHER

Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940 bis 1945

Dtsch Arztebl 2003; 100(16): A-1052

Friedrich, Jörg

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Bombenkrieg
Späte Erinnerung
Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940 bis 1945, Propyläen Verlag, München 2002, 492 Seiten, 25 €
Merkwürdig spät tauchen jetzt wieder die Erinnerungen an den Bombenkrieg auf, dem in Deutschland zwischen 1940 und 1945 etwa 600 000 Menschen zum Opfer gefallen sind und der eine Vielzahl historischer Städte dem Erdboden gleichmachte. Über die Gründe der späten Erinnerung mag gerätselt werden. Vielleicht ist einfach die Zeit reif, vielleicht wecken auch die flächendeckenden Bombardierungen auf dem Balkan und in Afghanistan Assoziationen, und auch das niedergelegte World Trade Center, das nach dem Terror-Anschlag einem bombardierten Feld glich, mag seinen Beitrag geleistet haben.
Die umfangreiche, gut recherchierte Schilderung des Historikers und Publizisten Jörg Friedrich vermittelt keineswegs nur dürre Fakten, dem Autor ist das Thema sichtlich nahe gegangen, und er schildert Schicksale und Abläufe mit tiefer Emotion. Die Städte, die es getroffen hat, werden einfühlsam geschildert, vor allem aber erläutert Friedrich das systematische, fortwährend perfektionierte Vorgehen der amerikanischen und britischen Bomber und der ihre Einsätze planenden Strategen. Friedrich stellt auch die Frage nach der Rechtfertigung solch systematischer Zerstörungen und der Terrorisierung der Bevölkerung. Das Wort Kriegsverbrechen wird vermieden, aber ein Schatten davon durchzieht das Buch. Friedrich will keine Aufrechnung deutscher Schuld am Krieg mit den von den Alliierten angewandten barbarischen Mitteln. Insofern eignet sich dieses Buch nicht als platte Anklage gegen frühere Gegner und Befreier. Der Autor hält die Ziele der Alliierten für berechtigt, er beklagt aber die Grausamkeit der Mittel und lässt deutlich erkennen, dass sie in diesem Ausmaß nicht hätten angewandt werden müssen und nicht kriegsentscheidend waren. Norbert Jachertz
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