ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Literaturgeschichte: Anregung

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Literaturgeschichte: Anregung

Dtsch Arztebl 2003; 100(16): A-1052

Jütte, Robert

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LNSLNS Albrecht Scholz, Caris-Petra Heidel (Hrsg.); Das Bild des jüdischen Arztes in der Literatur. (Medizin und Judentum, Band 6.) Mabuse-Verlag, Frankfurt/Main, 2002, 177 Seiten, kartoniert, 18 A
Wenn man über das Bild des jüdischen Arztes in der deutschen Literatur nachdenkt, dann fallen einem sogleich Dr. Bernhardi aus Schnitzlers gleichnamigem Schauspiel oder die Hauptfigur in Friedrich Wolffs Drama „Professor Mamlock“ ein. In beiden Stücken geht es um antisemitische Vorurteile, mit denen die im Beruf äußerst erfolgreichen jüdischen Ärzte zu kämpfen hatten. Doch es gibt noch sehr viel mehr jüdische Arztfiguren in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, wie ein Tagungsband dokumentiert. Darunter sind häufig auch interessante Nebenfiguren, wie zum Beispiel der zweifache Nobelpreisträger Dr. Goldbaum in Friedrich Dürrenmatts Drama „Die Frist“ (1977) oder der Herzspezialist Professor Kirschbaum in Jurek Beckers Roman „Jakob der Lügner“ (1969).
Unter den Autoren der literarischen Werke, die sich dieser Thematik annehmen, sind nicht wenige Juden (Stefan Zweig, Joseph Roth, Ernst Weiß), darunter auch solche, die von Beruf Ärzte waren, so zum Beispiel Friedrich Wolff oder Arthur Schnitzler. Wie der Medizinhistoriker Werner Friedrich Kümmel in seiner – auch wegen der Auswahlbibliographie – lesenswerten Einführung betont, konzentriert sich dieser Sammelband – von einigen Ausnahmen abgesehen – auf das 20. Jahrhundert. Wie wichtig der Blick auf frühere Epochen sein kann, zeigt der Beitrag über das literarische Werk des jüdischen Arztes und Aufklärers Isachar Falkensohn Behr (1746 bis 1817). Der einzige Aufsatz, der das von antisemitischen Vorurteilen geprägte Bild vom Judenarzt in der Frühen Neuzeit thematisiert, ist leider nicht auf dem neuesten Forschungsstand. – Ansonsten kann dieser Band aber als Anregung dienen, sich auch aufseiten der Literaturwissenschaft dieses Themas anzunehmen. Robert Jütte
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