ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Obstruktives Schlafapnoesyndrom im Kindesalter: Viele offene Fragen

MEDIZIN: Diskussion

Obstruktives Schlafapnoesyndrom im Kindesalter: Viele offene Fragen

Dtsch Arztebl 2003; 100(16): A-1076 / B-905 / C-849

Federspil, Pierre

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LNSLNS Die Formulierung „die Indikation zur Operation sollte unter Berücksichtigung der Anamnese (Dauer der Beschwerden), des Lebensalters des Kindes, des anatomischen und des funktionellen Befundes gestellt werden“ lässt zu viele Fragen offen. Das gewählte stufenweise diagnostische Vorgehen ist gut und insbesondere die Empfehlung: „Ist die adenotonsilläre Hyperplasie als alleinige Ursache eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms (OSAS) im Kindesalter identifizierbar, so sollten unverzüglich eine HNO-ärztliche Untersuchung und operative Konsequenzen eingeleitet werden.“ Richtig ist auch, darauf hinzuweisen, dass „anlässlich der Narkose“ zur operativen Behandlung „die komplette Inspektion des Nasenrachenraumes zu empfehlen ist“ und auch die der Nasenhöhlen durch Spiegeluntersuchung und eventuell Nasenendoskopie, um weitere zusätzliche Ursachen für das OSAS (hypertrophische Muschelenden, hypertrophische Muscheln, Vomerpolster, Nasenpolypen oder auch Nasenscheidewandverbiegungen oder Choanalatresien et cetera) zu diagnostizieren und beispielsweise im Falle von hypertrophischen Muschelenden, Muschelhypertrophien, Vomerpolstern oder Nasenpolypen eine sichere und problemlose Sofortbehandlung einzuleiten. Dadurch ist ein Behandlungserfolg ohne weiteren Eingriff sichergestellt. Es ist lediglich notwendig, die Eltern präoperativ über dieses Verfahren aufzuklären. Dieses Vorgehen erspart die im letzten Absatz zur Diagnostik vorgeschlagene, getrennt durchgeführte endoskopische Untersuchung der oberen Luftwege. Dadurch wird die im Rahmen der Operation durchgeführte Anästhesie höchstens um eine Minute verlängert und das Kind nicht belastet. Ist die Ursache der OSAS allein auf die Rachenmandelhyperplasie zurückzuführen, erscheint die Adenotomie auch bei einem einjährigen Kind bereits angezeigt. Besteht eine Rachen- und Gaumenmandelhyperplasie, sollte die Adenotonsillektomie vorgenommen werden. Ist die Rachen- und Gaumenmandelhyperplasie als Ursache der OSAS die einzige Indikation zur Operation, sollte beim Kind unter vier Jahren neben der Adenotomie lediglich die beiderseitige, schonende Lasertonsillometrie vorgenommen werden, um keinen immunologischen Schaden zu verursachen. In diesen Fällen liegen auch gute Erfahrungen mit der Adenotomie und der einseitigen Tonsillektomie vor. Zuletzt sind Kinder- und Allgemeinärzte noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Adenotomie ein derart problemloser Eingriff ist, dass er kein Aufschieben der korrekten Behandlung auch bei „leicht bis mäßiggradig ausgeprägtem OSAS in Verbindung mit einer Adenoidhyperplasie“ rechtfertigt.

Prof. Dr. med. Pierre Federspil
Akazienweg 1
66424 Homburg/Saar

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