ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Fibromyalgie: Muskuläre Dysbalance als Prodromalstadium

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Fibromyalgie: Muskuläre Dysbalance als Prodromalstadium

Dtsch Arztebl 2003; 100(16): A-1080

Kreutzberg, Karin

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Lokalisation der „tender points“ bei der Fibromyalgie Foto: Strathmann
Lokalisation der „tender points“ bei der Fibromyalgie Foto: Strathmann
Mindestens zwei Millionen Deutsche leiden an einer Fibromyalgie. Dieses inzwischen klar umrissene Krankheitsbild ist durch generalisierte Muskelschmerzen gekennzeichnet. Nach dem American College of Rheumatology müssen elf von 18 definierten Punkten druckschmerzhaft sein und die multilokulären Schmerzen über mindestens drei Monate bestehen, erklärte Dr. Thomas Laser (Bad Wiessee).
Diese „tender points“ sind Sehnendruckpunkte am Ursprung und Ansatz der Muskulatur. Die Patienten klagen über Schmerzen an allen vier Extremitäten sowie im Schulter-Nacken-Bereich und am Rumpf. Frauen erkranken vier- bis fünfmal häufiger als Männer. Der typische Fibromyalgie-Patient wird als
perfektionistisch, übermäßig loyal, hart arbeitend und mit eher dienender, aufopfernder Grundhaltung beschrieben.
Auch dieser Krankheit geht ein Prodromalstadium voraus, in dem eine muskuläre Dysbalance besteht. Die tonischen Muskelanteile überwiegen und sind durch Inaktivität oder Überaktivität, Fehlbelastung, Traumen oder Schmerzen verkürzt, die phasischen, die für kurzzeitige hohe Leistungsanforderungen gebraucht werden, geschwächt. Bei Verdacht auf Fibromyalgie empfiehlt es sich, neben der Palpation von Tenderpoints auch Untersuchungen durchzuführen, die eine Verkürzung der tonischen Muskulatur vor allem im Kopf-Schulter-Bereich oder in der Beckenregion aufspüren können.
Um den Patienten eine „Ärzteodyssee“ zu ersparen, sollte unbedingt eine Chronifizierung der Schmerzen vermieden werden. Wie heute bekannt ist, wandeln sich unter wiederkehrenden Schmerzsignalen die Rückenmarksneurone in ihrer Schmerzbereitschaft und entwickeln ein so genanntes Schmerzgedächtnis für früher erfolgte Reize, indem sie schneller und intensiver feuern. Auch andere Neurone des Zentralnervensystems besitzen diese neuronale Plastizität und Erinnerungsfähigkeit.
Um eine Chronifizierung zu verhindern, sollte jeder akute Schmerz behandelt werden. Dies gilt auch für die Fibromyalgie. Ihre Behandlung stützt sich vor allem auf eine physikalische Therapie und die Gabe von Lokalanaesthetika und Myotonolytika wie den Natriumkanalblocker Tolperison (Mydocalm®). In verschiedenen Studien hat sich Tolperison auch bei Fibromyalgie als wirksam erwiesen, indem es die Schmerzreize reduzierte und damit den reflektorisch erhöhten Tonus der Muskulatur senkte. Dr. med. Karin Kreutzberg

Fortbildungsveranstaltung „Standortbestimmung des Fibromyalgiesyndroms“, der Strathmann AG im September in Bad Wiessee
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