ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2003Berufshaftpflichtversicherung: Ein Muss für jeden Arzt

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Berufshaftpflichtversicherung: Ein Muss für jeden Arzt

Combach, Rolf

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LNSLNS Ein Arzt haftet nicht nur für sein eigenes Tun, sondern auch für das seiner Helferinnen. Damit das Schadenersatzrisiko nicht zu groß wird, gibt es die Berufshaftpflichtversicherung. Diese ist eine der wichtigsten für den Arzt.
Gegenstand der Berufshaftpflichtversicherung ist das Befriedigen (Bezahlen) berechtigter und die Abwehr unberechtigter Ansprüche, für die man als Arzt haftbar gemacht werden könnte, unter anderem aus Besitz oder Betrieb der Praxis, aus einem Behandlungsvertrag mit einem Patienten, aus unerlaubter Handlung, als Dienstherr des beschäftigten Personals, aus der Beschäftigung eines Vertreters oder Assistenten und aus Erste-Hilfe-Leistungen.
Experten schätzen die Zahl der ärztlichen Behandlungsfehler in Deutschland auf rund 450 000 im Jahr. Nach Darstellung der DBV-Winterthur Versicherung, die mit etwa 30 Prozent Marktanteil die meisten Berufshaftpflichtpolicen für Ärzte abgeschlossen hat, nimmt die Zahl der Behandlungsfehler kontinuierlich zu. Am häufigsten sehen sich Chirurgen und Orthopäden dem Vorwurf ausgesetzt, einen Patienten falsch behandelt zu haben.
Wird einem Arzt nachgewiesen, dass ihm ein ärztlicher Kunstfehler unterlaufen ist, muss er für die Schadenersatzforderungen aufkommen. Besitzt er keine Berufshaftpflichtversicherung, so hat er auf eigene Kosten nachzuweisen, dass die Vorwürfe haltlos sind. Gelingt ihm dies nicht, so muss er auch den Schadenersatz selbst bezahlen. Die geforderten Summen können einen Arzt in den finanziellen Ruin treiben. Hat der Arzt eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen, so prüft die Versicherung, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht. Hat der Patient Anrecht auf Schadenersatz, so begleicht die Versicherung die Forderung.
Der Arzt ist verpflichtet, sich ständig über den medizinischen Fortschritt in seinem Fachgebiet zu informieren. Unterläuft ihm ein Fehler, weil er sich nicht gut genug fortgebildet hat, so kann ihm schuldhaftes Verhalten vorgeworfen werden. Ein Kunstfehler im eigentlichen Sinne liegt aber nur dann vor, wenn der Arzt bei Diagnose und Behandlung gegen anerkannte Regeln der ärztlichen Wissenschaft verstoßen hat.
Wie ist die Rechtslage, wenn ein pensionierter Krankenhausarzt oder ein niedergelassener Arzt im Ruhestand bei einer Notfallbetreuung Fehler macht? Nach § 823 BGB kann er nicht haftbar gemacht werden, wenn er nicht vorsätzlich oder fahrlässig handelte. Anders sieht es hingegen aus, wenn ein bereits im Ruhestand lebender Arzt gelegentlich Notdienste für befreundete Ärzte in der Nachbarschaft macht. Dann braucht er eine Berufshaftpflichtversicherung,die aber nicht voll gültig sein muss, da er ja nur selten arbeitet. In diesen Fällen ist eine Ruhestandsversicherung sinnvoll. Rolf Combach
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