ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2003Ärztinnen: Doppelte Verschwendung

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Ärztinnen: Doppelte Verschwendung

Dtsch Arztebl 2003; 100(17): A-1112 / B-937 / C-881

Schlipf, Margareta

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LNSLNS Können wir es uns leisten in Zeiten immer knapper werdender Steuermittel und bei Kosten von > 50 000 Euro
pro Jahr und Studienplatz, dass inzwischen knapp 40 % aller Medizinstudentinnen und -studenten nach dem Examen nicht im klinischen Bereich tätig werden?
Ist es nicht geradezu eine doppelte Verschwendung von menschlichen und intellektuellen Ressourcen, wenn der Schwund gerade bei den weiblichen Absolventinnen zu verzeichnen ist, die als Ärztinnen lt. der amerikanischen Studie einen besseren „Draht“ zum Patienten haben? Ist es gesellschaftlich gesehen tragbar und richtig, dass gerade in einem Beruf, der am intensivsten mit allem Menschlichen zu tun hat, begabte Absolventinnen ihren Berufsweg abbrechen, weil die menschlichsten aller Bedürfnisse, nämlich nach Partnerschaft und Familie, nicht mit der Arbeitssituation vereinbar sind?
Es kann und soll nicht das Ziel sein, die Medizin zu einem reinen Frauenberuf zu machen. Es ist aber zu begrüßen, dass diese Problematik zunehmend – im DÄ – aufgegriffen wird. Möge dies so bleiben.
Es ist auch zu begrüßen, dass aufgezeigt wird, dass gerade in der Medizin im Vergleich zu anderen akademischen Berufen unmenschlichere, familienunfreundlichere Bedingungen zu herrschen scheinen (s. Grafik 1).
Dass dies so nicht richtig sein kann, darauf weist die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes in ihrem Interview hin. Dass es – dem Deutschen Ärztinnenbund – nicht um noch mehr Schutz für Ärztinnen zulasten ihrer männlichen Kollegen geht, wird sehr deutlich in der kritischen Auseinandersetzung mit der teilweise überschießenden Mutterschutzrichtlinien-Verordnung.
Aber auch dafür brauchen wir die Ärztinnen in der Medizin: dass sie auf geschlechterdifferente Krankheitsverläufe und -symptome hinweisen, wie es der Deutsche Ärztinnnenbund mit seinem Kongress „Schlagen Frauenherzen anders?“ gemacht hat.
Dr. Margareta Schlipf,
Pfauengasse 25, 89073 Ulm
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