ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2003Medizinstudium: Ideologiebehaftete Grundsätze aufgeben

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Medizinstudium: Ideologiebehaftete Grundsätze aufgeben

Dtsch Arztebl 2003; 100(17): A-1113 / B-938 / C-882

Schröder, Hobe J.

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LNSLNS Die Darstellung von Herrn Burger und Kollegen über ihre Erfahrungen mit dem problem-orientierten Unterricht an der Charité ist erfreulich nüchtern, und die sich für mich abzeichnenden Ergebnisse (« POL ist nicht schlechter als der Regelunterricht, ¬ POL ist in Deutschland als Regelunterricht für alle nicht sinnvoll) stimmen mit denen internationaler Untersuchungen (inklusive der Ergebnisse in Harvard) überein (Colliver, 2000). Die Schlussfolgerung von Colliver aus den bisherigen (bis 1998) empirischen Studien ist eindeutig (PBL gleich problem based learning): „ . . . , this review of the research on the effectiveness of PBL curricula provides no convincing evidence that PBL improves knowledge base and clinical performance, at least not of the magnitude that would be expected given the extensive resources required for the operation of a PBL curriculum.“ Diese nicht-erhöhte Effektivität von POL gilt auch für die medizinische Fort- und Weiterbildung (Smits et al., 2002). Die zur Durchführung von POL notwendigen Mittel (extensive resources) werden von Herrn Burger leider nicht klar benannt: Aus der Tatsache, dass die Zunahme der Lehrbelastung einzelner Fakultätsmitglieder verhältnismäßig gering ist, folgt nicht, dass die Ausbildungskosten je Student und Semester niedrig sind. Die Frage also ist: Wie teuer ist ein Regelstudent, wie teuer ist ein POL-Student? Diese Frage ist angesichts der gegenwärtigen Situation des Bildungswesens sicherlich gerechtfertigt, und ich frage mich auch, warum die Verfechter von POL in Deutschland meinen, dass hier teure Studien notwendig sind, die dann das bestätigen, was man eh schon weiß? Es ist bedauerlich, dass die von der AO gegebene Möglichkeit zur Durchführung von Modellstudiengängen ausgerechnet für das veraltete (wird seit über 30 Jahren ausprobiert!), teure und im Vergleich zur Regelausbildung nicht wirksamere (Colliver, 2000) POL genutzt wird und nicht für innovative Unterrichtstechniken. Zu diesen kann man durchaus „Hybrid“-Formen rechnen, welche die Vorteile von POL („PBL may provide a more challenging, motivating, and enjoyable approach to medical education . . . “; Colliver 2000) mit den Vorteilen des wissenssystematisch gegliederten Regelunterrichtes verbinden. Wäre es nicht vernünftig, die ideologiebehafteten Grundsätze („reines POL“ gegen „sturen Regelunterricht“) aufzugeben und gemeinsam für effektive Unterrichtsmethoden zu arbeiten?
Literatur beim Verfasser
Prof. Dr. med. Hobe J. Schröder,
Institut für Experimentelle Gynäkologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf,
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
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