ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2003Männergesundheit: Besser – Rollenverhalten ablegen

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Männergesundheit: Besser – Rollenverhalten ablegen

Dtsch Arztebl 2003; 100(17): A-1114 / B-939 / C-883

Zeller, Inge

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LNSLNS Ach, Ihr Männer, endlich habt Ihr, oder zumindest einige von euch, verstanden, dass es nicht ausreicht, sein Ego unbeirrt zu streicheln, um dann mit Mitte fünfzig – an einem Herzinfarkt verstorben – ins Grab zu sinken! Dafür müsst Ihr aber ein wenig mehr tun als bisher, denn Ihr meint immer noch, Ihr seid der Nabel der Welt. Kaum habt Ihr eine Männerinitiative gegründet, muss auch schon das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium antreten, um euch zu unterstützen! Notfalls ginge ja auch noch ein Länderministerium, aber die wollen anscheinend auch nicht so recht, da sie wahrscheinlich euer Begehren gar nicht verstehen. Denn fast alles in der Gesundheit wird doch bereits ausschließlich für die Männer gemacht, erforscht und therapiert! Ab und zu fällt ein Bröckchen für die Frauen ab, das sind Einzelevents.
Z. B. stand vergangene Woche in der Tageszeitung die neueste Erkenntnis, dass: „Karrierefrauen aufgrund der Doppelbelastung besonders unter Stress leiden, da ihre Ehemänner anscheinend nicht in der Lage sind, sie im Haushalt zu unterstützen“. Eine ganz neue Erkenntnis! Vor 30 bis 40 Jahren hieß diese Stresserkrankung bei den Männern „Managerkrankheit“, allerdings nicht wegen einer Doppelbelastung, sondern wegen eines ungesunden Lebenswandels. Die Ursachen sind seit der Framingham-Studie zur Genüge erforscht; es gibt ausreichend Aufklärungsmaterial. Nur anwenden können die Männer diese Erkenntnisse anscheinend nicht oder zu wenig (es sei denn, die Ehefrau hilft).
Was soll denn in dieser Situation ein Männergesundheitsbericht noch erbringen?
Wenden Sie sich doch bitte an das Statistische Bundesamt, dort liegen alle Statistiken über die Gesundheit vor. Denn: medizinische Forschung ist männerzentriert, da braucht man wirklich keinen extra Männergesundheitsbericht, sondern man kann auf den normalen Gesundheitsbericht zurückgreifen! Bilden Sie Selbsterfahrungsgruppen überall, reden Sie über Ihr Rollenverhalten, damit Sie es endlich ablegen können! Das haben wir Frauen schließlich auch gemacht. Nehmen Sie sich ein Beispiel an den Ursprüngen der Frauenbewegung, und fangen Sie nicht dort an, wo die Frauen jetzt schon angelangt sind.
Dr. med. Inge Zeller,
Neuer Graben 73, 44139 Dortmund
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