ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2003Multiple Chemical Sensitivity: Schlusswort
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LNSLNS Herr Kollege Kunze weist zu Recht darauf hin, dass in der Diagnostik und Therapie von vermuteten umweltassoziierten Erkrankungen zahlreiche Verfahren angewandt werden, die beim derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand als nicht valide betrachtet werden müssen. Wir denken, dass dieser Sachverhalt in unserem Übersichtsbeitrag ausreichend deutlich gemacht wurde. Unser Beitrag ist auf keinen Fall als „konziliant“ gegenüber unwissenschaftlichen Methoden in der Umweltmedizin zu verstehen. Vielmehr war es gerade Sinn und Zweck der Übersicht, auch die Problematik der Anwendung unseriöser Methoden bei Patienten mit Multiple Chemical Sensitivity darzustellen. Auf den Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) werden kritische Beiträge zu „alternativen Methoden in der Umweltmedizin“ in Seminarveranstaltungen und Vorträgen seit vielen Jahren präsentiert.
Wir stimmen mit Frau Kollegin Aschermann dahingehend überein, dass auch wir die Bedeutung der Empirie in der täglichen praktischen Arbeit mit Patienten hoch einschätzen. Wissenschaftlichkeit allein genügt zweifellos nicht, um eine patientengerechte Medizin zu praktizieren. Medizin ohne Wissenschaftlichkeit aber kann eine Gefahr für die körperliche und seelische Gesundheit unserer Patienten sein. Dabei sollen die von Frau Kollegin Aschermann zitierten Leitlinien die auf wissenschaftlichen Studien basierenden Erkenntnisse für eine optimale Versorgung aller Patienten in die Praxis umsetzen. Wir können nicht erkennen, welche empirischen Erfahrungen zu dem Schluss führen sollten, dass „Mobbing, Selbstmordgedanken, Hypertonie, Hepatopathie, Bandscheibenvorfall, Hautausschläge, Bronchitis“ pauschal auf „Chemikalien am Arbeitsplatz“ oder „chemiebelastete Umwelt“ zurückzuführen seien. Es ist gerade diese simplifizierende, monokausale Betrachtungsweise, vor der wir mit unserem Beitrag warnen wollen. Insofern kann das Votum von Frau Kollegin Aschermann für eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Betreuung betroffener Personen nur unterstützt werden.

Prof. Dr. med. Renate Wrbitzky
Abteilung Arbeitsmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
E-Mail: Wrbitzky.renate@mh-hannover.de

Prof. Dr. med. Thomas Kraus
Institut für Arbeitsmedizin
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule, Aachen

Dr. med. Michael Nasterlack
Abteilung Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz
BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen

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Avatar #100905
U.Hehl
am Sonntag, 10. März 2013, 16:39

Man sollte bitte bedenken.........

das kein menschlicher Körper mit chemischen Beladtungen zurecht kommt. Das haben amerikanische Forscher klar bewiesen. Die Chemikalien können nicht alle vom Körper ausgeschieden werden.
Die MCS ist infolge der drastisch ansteigenden Chemikalien als Folgeerkrankung zu sehen und so sollte man sie auch behandeln.
Wieso werden keine spezielle Blutuntersuchungen gemacht, die das jederzeit belegen können, wieviel Chemie chronisch Kranke Patienten in sich tragen??? Warum verschönert man die aktuellen chemischen Zustände so sehr in Deutschland, als hätten wir gar keine Chemiekalien im Alltag???
Was steckt wirklich dahinter und vor allem wer???
Das sollte man sich hier Fragen.
In jedem Land wird die MCS voll anerkannt und die Patienten auch so behandelt.
In Deutschland gibt es gerade mal eine Klinik die MCS gerechte Krankenzimmer anbietet. Wie kann das sein???
Wieso klären die Mediziner nicht diesen Lügenteppich oder das Mafiagehabe der Politik und der Pharma endlich auf???
Das sind die einzigen die davon profitieren.
Wieviel Menschen sollen wegen falsch Behandlungen ihr ganzes Leben an chronische Erkrankungen leiden und Medikamente nehmen müssen, wenn ein einfaches Blutbild bereits eine haargenaue Diagnose auf MCS vereinfachen könnte???
Ich weiß das das ein älterer Bericht ist,
aber dennoch, es ist bewiesen, das MCS kein Phantom ist und das chronische Erkrankung aufgrund der chemischen Belastungen bei Menschen oft heilbar wären, wenn man die dazu gehörigen Blutbilder dazu erstellen täte.
Man muss das mal gesagt haben.
Berichte und Videos dazu kann man jederzeit auf z.B. auf Youtube ansehen
( Toxikologe Timo Merz und Staastanwalt Schöndorf )

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