ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2003Medikamentöse Krebstherapie: Studien mit neuen Substanzen vorgestellt

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Medikamentöse Krebstherapie: Studien mit neuen Substanzen vorgestellt

Dtsch Arztebl 2003; 100(17): A-1146

Böttger, Sabine

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LNSLNS Die Therapie mit Taxanen hat die Chemotherapie verbessert. So sind beim Mammakarzinom wie auch beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) deutlich höhere Ansprechraten zu erzielen als unter Zytostatika-Regimen ohne Taxane. Innovative Therapieansätze sind zudem antiapoptotische Substanzen, welche die Wirkung der Zytostatika weiter verstärken sollen. Zwei viel versprechende Substanzen dieser Art sind Oblimersen und Falvopiridol, die an verschiedenen Tumoren untersucht werden.
Beim Mammakarzinom erhöht das Taxan Docetaxel in der adjuvanten Situation die Heilungschance der Patientinnen (Studien von Nabholtz et al., Breast Cancer International Research Group, BCIRG 001). Bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall reduzierte das Kombinationsregime TAC (TAC = Docetaxel, Doxorubicin, Cyclophosphamid) die Rezidivrate um ein Drittel, unabhängig davon, ob sie hormonrezeptorpositive oder -negative Tumoren aufwiesen, berichtete Dr. Andreas Schneeweiß (Heidelberg).
Das TAC-Protokoll war gegen das FAC-Schema (5-Fluorouracil, Doxorubicin, Cyclophosphamid), alle drei Wochen gegeben in sechs Zyklen, geprüft worden. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 33 Monaten lag das krankheitsfreie Überleben im FAC-Arm mit 74 Prozent statistisch signifikant unter den 82 Prozent im TAC-Arm. Besonders profitierten Patientinnen mit ein bis drei vom Tumor befallenen Lymphknoten (79 versus 90 Prozent) zugunsten von TAC. Dies betraf auch das Gesamtüberleben mit 96 gegenüber 89 Prozent.
Beim fortgeschrittenen NSCLC sei Docetaxel in der Monotherapie bei bereits vorbehandelten Patienten sowohl einer BSC-Strategie als auch einer Behandlung mit den Zytostatika Vinorelbin oder Ifosfamid hinsichtlich Ansprechraten und Überlebenszeit überlegen, betonte Dr. Wilfried Eberhardt (Essen). Durch die Tumorrückbildung konnten die krankheitsbedingten Beschwerden deutlich gelindert und die Lebensqualität der Patienten signifikant verbessert werden.
In der Firstline-Therapie erreichte Docetaxel in Kombination mit Cisplatin beziehungsweise Carboplatin (DC) eine höhere Ansprechrate und ein längeres Gesamtüberleben als die bisherige Standardkombination Vinorelbin/Cisplatin (VC). Die Patienten im Stadium IIIB-IV ihrer Erkrankung hatten nach sechs Zyklen DC eine deutlich stärker gestiegene Lebensqualität als die Patienten in der Gruppe, die VC erhalten hatte. Auch die Schmerzen ließen unter dem DC-Protokoll stärker nach, und die Patienten verloren weniger an Körpergewicht. Eberhardt schloss aus diesen Daten, dass die DC-Kombination heute zu einem der wirksamsten Schema in der Therapie des fortgeschrittenen NSCLC zählt.
Verbesserung der Wirkung etablierter Chemotherapien
In Lymphomen, aber auch einer Reihe anderer Tumoren, wird das Bcl-2-Protein exprimiert, beim malignen Melanom in bis zu 90 Prozent der Fälle. Die Arbeitsgruppe um Dr. Volker Wacheck (Wien) konnte in vitro an Mäusen durch die Reduktion der Bcl-2-Expression mit so genannter Bcl-2-Antisense Oligonukleotiden (Oblimersen) eine signifikante Chemosensitivierung von Melanomen erzielen. Daraufhin untersuchte eine Gruppe an der Universität Wien in einer Phase-I/II-Studie die Substanz Oblimersen (AVE3139) an Melanompatienten. Die Behandlung wurde bis zu einer Dosierung von 12 mg/kg/d gut vertragen. Bei 14 Melanompatienten zeigte sich ein Ansprechen von 43 Prozent mit einer doppelt so langen Überlebenszeit gegenüber der Kontrollgruppe. Beim NSCLC wird Oblimersen in Kombination mit Docetaxel in einer Phase-III-Studie geprüft.
Die zweite viel versprechende neue Substanz ist der
Cyclin-abhängige Kinase-Inhibitor Falvopiridol. Die Substanz greift in den Zellzyklus ein und macht Tumorzellen anfälliger für eine chemotherapie-induzierte Apoptose. Dr. Udo Vanhoefer (Essen) informierte, dass die Substanz in Phase-III-Studien bei unterschiedlichen Tumoren getestet wird. Sabine Böttger

Pressegespräch von Aventis Onkologie „What’s next?" im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie 2002, München
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