ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2003Autobanken: Geldanlage beim Mechaniker?

VARIA: Wirtschaft

Autobanken: Geldanlage beim Mechaniker?

Dtsch Arztebl 2003; 100(17): A-1147

Jobst, Peter

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Drehen an der Renditeschraube: Viele Autobauer bieten attraktive Konditionen. Foto: Allianz
Drehen an der Renditeschraube: Viele Autobauer bieten attraktive Konditionen. Foto: Allianz
Die Fahrzeughersteller haben ein lukratives Nebengeschäft entdeckt:
Finanzdienstleistungen. Das Angebot reicht von klassischen Finanzierungen über Geldanlagen bis zum Online-Wertpapierhandel.

Banken und Sparkassen müssen sich mit neuen Konkurrenten auseinander setzen: Autobanken dringen zunehmend in die Domäne der Finanzdienstleister vor – allerdings ohne Kostendruck für teure Filialen und Mitarbeiter. Denn das Geschäft läuft in den meisten Fällen direkt per Post, Fax oder Internet. Kontakte werden über die Autohäuser geknüpft.
Dabei hatte der Pionier, die Volkswagen-Bank, zunächst eine ganz andere Intention. Über das Angebot von Kreditkarten mit dem VW-Logo wollte der Konzern an neue Kundendaten gelangen und sein Image steigern. Schnell zeigte sich, dass das Angebot gut angenommen wurde. Niedrige Preise sorgten für eine enorme Nachfrage. Zahlreiche Finanzdienstleistungen kamen hinzu, die Erteilung einer Vollbanklizenz folgte. Heute betreut das Institut, das auch Audi-Kunden unter eigener Bankbezeichnung anspricht, rund 550 000 Kunden, die mehr als fünf Milliarden Euro auf den VW-Konten deponiert haben.
Breite Angebotspalette
Angeboten wird eine breite Palette von Tages- und Festgeldkonten, Sparplänen und Sparbriefen, wobei die Renditen oft deutlich über den Sätzen der lokalen Institute und Direktbanken liegen. So können Kunden für Festgelder bis zu 2,6 Prozent Guthabenzins erzielen (ab 50 000 Euro bei Online-Kontoführung), spezielle Auto-Ansparpläne bringen bis zu 4,16 Prozent. Sparbriefe rentieren mit 2,75 Prozent (ein Jahr) bis 4,5 Prozent (zehn Jahre), einen Kleinkredit gibt es bereits für 8,69 Prozent.
Volkswagen hat sich inzwischen auch in weitere Geschäftsbereiche vorgewagt. In Kooperation mit mehreren Partnern werden Produkte zur Altersvorsorge, Investmentfondsanteile, überaus preiswerte Hypothekendarlehen (zum Beispiel zehn Jahre Zinsfestschreibung für 4,76 Prozent Effektivzins) und ein Online-Wertpapierhandel angeboten. Hier ist VW zwar nicht so kostengünstig wie andere Discounter, allerdings wird das Orderkonto mit einlagenabhängigen 2,5 Prozent bis drei Prozent attraktiv verzinst. Darüber hinaus wird daran gearbeitet, Anlaufstellen für Kunden in den zunächst 100 größten VW/Audi-Niederlassungen zu eröffnen.
Als zweite Autobank stieg BMW im Jahr 1994 in das lukrative Direktbankgeschäft ein. Hier ist das Angebot bisher zwar noch nicht so umfangreich, dennoch durchaus attraktiv. Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist bringen zwischen 2,75 Prozent und drei Prozent Verzinsung, ohne dass der Kunde deswegen mühsam mit seiner Bank verhandeln muss. Für Tagesgeld gewährt BMW bis zu drei Prozent, und ein Festgeld über 36 Monate Laufzeit wirft 2,4 Prozent ab. Interessant sind auch Sparbriefe, die von BMW mit 2,6 Prozent (vier Jahre) bis 3,8 Prozent (zehn Jahre) verzinst werden. Bei Finanzierung oder Leasing eines Fahrzeugs winkt ein zusätzlicher Aufschlag von 0,75 Prozent. Daneben sind weitere Offerten geplant, beispielsweise im Investmentbereich. Derzeit schließt BMW nach eigenen Angaben 500 neue Tagesgeldverträge täglich ab.
Als jüngsten Spross der Branche schickte DaimlerChrysler im Juli 2002 seine Banktochter ins aktive Rennen um Kundengelder. Zuvor waren lediglich Finanzierungen aus dem eigenem Haus sowie Kreditkarten der Deutschen Bank 24 angeboten worden. Bei DaimlerChrysler ist das Angebot vorerst noch klein. Angeboten werden zum Beispiel ein Tagesgeldkonto mit 3,3 Prozent Guthabenzins und monatlicher (!) Zinsgutschrift sowie verschiedene Sparpläne mit 2,8 Prozent Grundverzinsung und bis zu 1,9 Prozent Bonus bei sechsjähriger Laufzeit, auf die beim Kauf eines Fahrzeugs stolze drei Prozent der eingezahlten Sparraten als zusätzlicher „Autobonus“ gewährt werden. Erweitern wollen die Stuttgarter ihr Dienstleistungsangebot rund ums Geld zwar durchaus, allerdings soll vorerst – noch – kein Online-Brokerage ins Netz gestellt werden.
Vorerst noch zurückhaltend sind Ford und Opel. Jedoch arbeitet man auch hier an innovativen Besonderheiten: Die Opel-Bank will beispielsweise ein Arbeitslosenversicherungspaket entwickeln. Ganz auf die Nobel-Schiene will Porsche den Bereich Financial Services heben, der insbesondere eine exklusive Anlageberatung und attraktive Investmentfonds anbieten soll. Hingegen stehen bei Porsche die klassischen Anlageformen ebenso im Hintergrund wie das Angebot von Girokonten.
Gerade das Thema Versicherungen dürfte noch manchen Anbieter auf neue Ideen bringen. Studien belegen, dass bereits in wenigen Jahren jeder dritte Neuwagen zusammen mit einer Versicherungspolice des Herstellers ausgeliefert wird. Angesichts der oftmals hervorragenden Finanzkraft des Kundenstamms lässt dieser Vertriebsweg auch in anderen Bereichen gute Erträge erwarten. Allerdings muss das Angebot in allen Punkten konkurrenzfähig sein, damit der Kunde dem neuen Vertragspartner sein Vertrauen schenkt.
Es lohnt sich, die Angebote der Autobanken in Preisvergleiche einzubeziehen. Die Phase der von den Herstellern gesponserten „Kampfkonditionen“ dürfte noch einige Zeit anhalten. Allerdings sollte den Kunden bewusst sein, dass zum Beispiel ein Internetkonto bei einer Autobank keine Fachkompetenz erwarten lässt. Vielmehr ist es mit der Bankverbindung zu einem Discountbroker vergleichbar: wenig Service, dafür aber finanziell vorteilhaft.
Peter Jobst
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