ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2003Barmer: Wie es Schmidt gefällt

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Barmer: Wie es Schmidt gefällt

Dtsch Arztebl 2003; 100(18): A-1157 / B-973 / C-909

Rieser, Sabine

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LNSLNS Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, machte sich unlängst bei Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) unbeliebt, als er vor einem Defizit von rund neun Milliarden Euro zum Jahresende in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung warnte. Sein Amtskollege von der Barmer, Dr. med. Eckart Fiedler, erklärte dagegen in der vergangenen Woche, er hoffe, dass es nicht zu Beitragssatzerhöhungen kommen werde. Er setze auf die anstehende Gesundheitsreform – Äußerungen, die Ulla Schmidt sicher besser gefielen als die Warnungen Klusens.
Die Ministerin hatte Fiedler und Prof. Dr. med. Dr. Karl W. Lauterbach nicht nur einen Saal ihres Berliner Ministeriumssitzes für die Vorstellung einer Studie zur Versorgung von Bluthochdruckpatienten überlassen (siehe Bericht in diesem Heft), sondern war zudem persönlich zur Präsentation gekommen. Dabei bekam sie im Grunde nur Zustimmendes zu hören. Lauterbach hat errechnet, dass man die Mehrzahl der als Hypertoniker erkannten Barmer-Versicherten für 80 Millionen Euro weniger als bisher besser oder wenigstens gleich gut versorgen könnte. Dazu müsste öfters Chlorthalidon verschrieben werden – und noch häufiger als bisher eine preiswerte Variante alternativ verwendeter Wirkstoffe.
Dass Ärztinnen und Ärzte hier theoretisch noch Spielraum haben, ist in der öffentlichen Diskussion ihre Achillesferse. Fiedler erläuterte denn auch umgehend, der Hebel zur Veränderung sei das Verordnungsverhalten. Deshalb sei es erstens notwendig, den Ausbau von Disease- Management-Programmen zu forcieren. Sie garantierten „eine Therapie auf Basis neuster Erkenntnisse“. Als Zweites benötige man „eine ganz neutrale, hochwissenschaftliche Institution“ wie das geplante Zentrum für Qualität in der Medizin. Und drittens sei eine Pflichtfortbildung unabdingbar, um bestimmtes Wissen auf jeden Fall an den Arzt und die Ärztin zu bringen.
Die KBV hat die Studienergebnisse allerdings zurechtgerückt. Die Ärzte seien zum Zeitpunkt der Erhebungen von Lauterbach noch gar nicht über die Erkenntnisse der zugrunde gelegten ALLHAT-Studie informiert gewesen, betonte ein Sprecher. Eine weitere Untersuchung im Februar habe deren Ergebnisse zudem relativiert. Sabine Rieser
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