ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2003Ärztenachwuchs: Warten auf ein Signal

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Ärztenachwuchs: Warten auf ein Signal

Dtsch Arztebl 2003; 100(18): A-1157 / B-973 / C-909

Flintrop, Jens

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LNSLNS Der Trend hält unvermindert an: Abgeschreckt durch die Berichte über überlange Arbeitszeiten, überspitzte Hierarchien und eine miese Bezahlung in den Krankenhäusern, entscheiden sich immer weniger Medizinstudenten dafür, den Arztberuf auch tatsächlich zu ergreifen. Dies belegt einmal mehr die aktuelle Ärztestatistik (Stand: Ende 2002). Besonders der in Vergleich zu anderen Branchen unterbezahlte Berufseinstieg als Arzt im Praktikum (AiP) vergrault viele potenzielle Ärzte.
Zwar ist die Zahl der Studienanfänger im Fach Humanmedizin seit Jahren konstant, die Gesamtzahl der Studenten nimmt aber kontinuierlich ab (um minus 14 Prozent seit 1993). Auch die Zahl der Absolventen ist rückläufig (um minus 25 Prozent seit 1994). Mittlerweile brechen 20 Prozent eines jeden Jahrgangs ihr Studium ab. Zudem werden immer mehr Absolventen nicht Arzt. So sank die Zahl der AiPler von 22 131 in 1994 auf 17 350 in 2002.
Um die ärztliche Tätigkeit wieder attraktiver zu machen, täte Ulla Schmidt gut daran, sich an ihr Versprechen vom 26. März zu erinnern. Sie werde sich dafür einsetzen, dass die endgültige Abschaffung der AiP-Phase auf das Wintersemester 2004/2005 vorgezogen werde, hatte sie beim zweiten „Arbeitszeitgipfel“ zugesagt. Nach dem heutigen Stand gehört der AiP erst im Jahr 2009 der Vergangenheit an; die neue Approbationsordnung gilt erst für jene, die im Oktober 2003 ihr Studium beginnen.
Der Ausblick, die Berufskarriere als Assistenzarzt zu starten, könnte für viele Absolventen verlockend sein. Aber wichtiger wäre es, die Ministerin könnte ein Zeichen setzen: Ja, die Bundesregierung erkennt an, dass die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern besonders für junge Ärzte inakzeptabel sind, und ist gewillt, daran etwas zu ändern. Das wäre ein Signal an den Nachwuchs. Denn gelingt es nicht, die Ärzteflucht zu stoppen, droht ein Engpass. „Noch haben wir in vielen Bereichen eine gute Versorgung mit ambulant tätigen Ärzten. Doch es ist absehbar, dass dieser Standard auf Dauer nicht mehr zu halten sein wird“, betonte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe. Jens Flintrop
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