ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Die Frau, die gegen Türen rannte

SPEKTRUM: Bücher

Die Frau, die gegen Türen rannte

Doyle, Roddy

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LNSLNS Roddy Doyle
Deutlich wird an Roddy Doyles Prosa- und Filmwerk, daß die Iren nicht mehr so sehr von der Vergangenheit traumatisiert sind, als daß sie keinen Spaß verstehen würden. Mit seinen verfilmten Romanen "The Commitments", "The Snapper" und "The Van" hat er viele Lacher auf seiner Seite. Die Tragikomik, die bei den Filmen wohltuend ist, bleibt einem bei Doyles neuestem Roman eher im Halse stecken. In "Die Frau, die gegen Türen rannte" zeichnet er ein bedrückendes Psychogramm einer von ihrem Mann geschlagenen und vergewaltigten Frau, die über ihr in Trümmer liegendes Leben resümiert. Eine schwarze Hölle tut sich auf, die auch fast den Leser verschlingt, denn Doyles Erzählweise und Sprachrhythmus sind packend. Den jeweiligen Stimmungslagen Paulas angepaßt, verdichtet sich der Text oder geht in Wortstakkati über. Wider Erwarten macht Doyle aus diesem Roman keine sozialpsychologische Studie; er läßt sich nicht einmal dazu verleiten, psychologische Innenansichten zu liefern. Er charakterisiert seine Hauptfiguren ausschließlich über ihr Idiom, über ihre Art, sich zu unterhalten, was auch in seinem 1994 in Deutschland erschienenen Roman "Paddy Clarke Ha Ha Ha" auffallend ist.

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