ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2003Gesundheitspreis: „Fehlervermeidung“

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Gesundheitspreis: „Fehlervermeidung“

Dtsch Arztebl 2003; 100(18): A-1177 / B-990 / C-926

Blöß, Timo

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LNSLNS Mit der Verleihung des diesjährigen Berliner Gesundheitspreises prämierten der Bundesvorstand der AOK, die AOK Berlin und die Berliner Ärztekammer sechs Projekte, die sich in besonderer Weise durch eine Verbesserung der Fehlerprävention und Fehlerauswertung hervorgehoben haben. 51 Initiativen haben an dem mit 50 000 Euro dotierten Wettbewerb unter dem Motto „Fehlervermeidung und Sicherheitskultur – Qualitätsoffensive in Medizin und Pflege“ teilgenommen. Die Siegesprämie für den ersten Platz wurde dabei zweimal von der 13 Mitglieder zählenden Jury aus Politik, Wissenschaft und Praxis vergeben: Die Wettbewerbsbeiträge des Schweizer Department Anästhesie Kantonsspitals und des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Kiel wurden jeweils mit 15 000 Euro ausgezeichnet.
Die Schweizer Forschungsgruppe um Prof. Dr. med. Daniel Scheidegger entwickelte ein „Meldesystem im Internet“ für den stationären Bereich. Mit diesem können „systematisch Anhaltspunkte zur Fehlerentstehung und -vermeidung“ gewonnen werden. In dem Kieler Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach wurde ein Risikomanagement zur Prävention von Fehlern und zur Schaffung eines Fehlerberichtsystems für den hausärztlichen Bereich umgesetzt. Nach Meinung der Jury leisten beide Projekte einen „wesentlichen Beitrag zur Patientensicherheit“. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. jur. Hans Jürgen Ahrens, bezeichnete den Gesundheitspreis als einen „wichtigen Schritt“. Bei der Vermeidung von Fehlern sei Deutschland zwar – trotz aller ärztlichen Bemühungen – noch „Entwicklungsgebiet“. Deswegen brauche man einen „sanktionsfreien Raum“, um aus gemachten Fehlern lernen zu können, sagte Ahrens bei der Verleihung in Berlin.
Bisher erschöpfe sich der Umgang mit Fehlern in Deutschland häufig darauf, „einen Schuldigen zu finden“, erklärte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz. Dies müsse sich ändern. Deshalb entwickele die Bundes­ärzte­kammer derzeit ein „Curriculum Fehlermanagement“, das bundesweit für Fortbildungsveranstaltungen angeboten werden soll. Ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt gab bekannt, dass ihr Ministerium eine Studie „zu den Möglichkeiten einer koordinierten Medizinschadensforschung“ in Auftrag gegeben habe. Bis Ende des Jahres sollen in der repräsentativen und flächendeckenden Studie Schadensfälle geprüft und ausgewertet werden. Die Ergebnisse der Studie würden eine „wichtige Entscheidungsgrundlage“ für die Weiterentwicklung der Qualitätssicherung darstellen. Weitere Informationen unter: www.gesund heitspreis.de. TBL
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